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Juhne
Spielerin



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Feuerhexe! 08.1.20 17:50

Sie musste schon zugeben, dass ihr mulmig zumute war, als Fergus ging. Und es nervte sie, dass er genau dies sofort gemerkt hatte. Aber dafür kannten sie sich einfach zu lange und zu gut.

Der Gedanke war nicht sofort dagewesen, aber schlich sich im Laufe des Gespräches immer mehr ein. Ein Anschlag… auf Sie… Aus Schattental. Dazu Cassians Verhalten, seine Sorge, dass sie nicht genug auf sich Acht gibt, die Ausfragerei, was sie am nächsten Tag vorhatte, wohin sie gehen würde. Sein Bedauern, ihr nichts Genaueres sagen zu können. Aber würde er? Würde er das wirklich tun? Beim Gedanken daran drehte sich ihr der Magen um.

Sie war schon oft das Ziel von Attentätern gewesen. Das war wohl einfach in ihrer Position nichts Besonderes. Allerdings hatten die meisten derjenigen, die das Attentat durchführen sollten, schlichtweg als Stümper herausgestellt. Aber Cassian war keiner. Sie wusste wie er jagte, sie hatte gesehen, wie präzise er mit dem Bogen umgehen konnte. Sicher gab es Schützen, die schneller waren als er, aber darauf kam es bei einem Attentat nicht an, sondern auf eine ruhige Hand, den richtigen Moment. Er bezeichnete sich zurecht als Scharfschütze. Er brächte es fertig, einer Fliege ins Auge zu schießen. Sie hatte diese Eigenschaft von Anfang an bewundert. Nein, mehr sogar, sie war beeindruckt.

Doch war alles wirklich nur eine Lüge gewesen? Hatte er ihr vorgeheuchelt, Interesse an ihr zu haben, sie sogar zu lieben? Nur um an Informationen zu kommen, wie ihr Tagesablauf aussah, wann sie sich wo aufhalten würde?

Sie hatte von derart Aufträgen gehört, die über Wochen gingen. Das Opfer wurde erst beschattet, dann näherte man sich ihm allmählich. Es wurde ein Bezug aufgebaut. Bei verschiedenen Geschlechtern, am besten etwa im gleichen Alter, wurde es natürlich mit einer Romanze versucht. Kaum etwas lenkte einen Menschen einfacher als Sex.

War sie auf so eine Masche reingefallen? Sie konnte sich einfach nicht vorstellen, sich so in einem Menschen getäuscht zu haben.

Sie wusste, dass sie ein ungleiches Paar abgaben. Dass es eine Beziehung werden würde, die kaum möglich war. Und doch wollte sie ihn, wollte die Chance dazu. Würde sie nun morgen sterben?

Sie verstand es ja fast sogar, dass er nicht aus seiner Haut konnte, denn das konnte sie letztendlich auch nicht. Er war sein Leben lang Söldner gewesen, hatte Menschen für Gold getötet. Er war ein Teil der Wächterschaft, als sie noch existierte. Sie war der Feind. Und wenn er den Auftrag wirklich über Monate geplant hatte, hatte er es verdammt gut gemacht.

Sie widerstand dem Impuls, den Kristall aus der Tasche zu holen. Was sollte es letztendlich bringen. Wenn er ihr wirklich etwas vorgespielt hatte, würde er auch jetzt nicht die Wahrheit sagen.

Er wusste, dass sie am nächsten Tag nach der Mittagsstunde zum Appell wollte. Es gab keinen besonderen Anlass, doch wollte sie sich mal wieder blicken lassen, denn grade nach den Unruhen brauchte Vesper Führung. Sie wusste, dass das der perfekte Moment war. Sie würden umringt sein von Häusern mit Fenstern, zwei Bäume standen dort, die Mauer mit dem Gerüst daneben. Und auch wenn Fergus zugesagt hatte, dass er zwei seiner Leute abstellen wollte, wurde ihr Gefühl immer mulmiger, je später es wurde.

Sie hatte Vika nichts gesagt, letztendlich wollte sie niemanden aufscheuchen. Wenn Cassian heute wirklich ihr Leben beenden sollte, würde es wenigstens schnell gehen. In einer Sekunde wäre sie lebendig, in der nächsten tot. Der Gedanke schmerzte. Sollte es wirklich wahr sein, würde sie an diesem Tag weitaus mehr verlieren als ihr Leben.

Der Tag schritt schneller voran, als ihr lieb war. Doch was brachte es letztendlich, es hinauszuschieben. Sie hatte Fergus Rat beherzigt, auch wenn sie natürlich selber das gleiche getan hätte. Sie trug sowieso ihre Uniform, die zugleich die beste Rüstung war, die eine Magiebegabte tragen konnte. Dazu hatte sie zwei Schutzschilder generiert, ein physisches und eine Reflektion. Sie bezweifelte zwar, dass sie das zweite brauchen würde, aber schaden würde es nicht. Allerdings bezweifelte sie auch, dass das erste irgendwas bringen würde, bei dem Talent, was Cassian hatte.

Sie hatte noch ein paar Dinge aufgeschrieben, das meiste war für Kane. Aber auch Fergus würde ein Schreiben erhalten. Cassian ebenso. Als sie ihr Büro verließ, war sie ruhig und konzentriert. Dennoch fühlte es sich wie ein Abschied an.

Der Weg zum Gardeplatz war nicht weit. Sie erwischte sich dabei, wie sie immer wieder die Dächer absuchte, wie sie sich im Schatten ihrer Leibgardistin bewegte. Sie wollte nicht sterben. Nicht auf diese Art. Und vor allem nicht durch die Hand des Mannes, den sie liebte.

      
 
Juhne
Spielerin



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10.1.20 17:52

Die letzten Schritte bis zum Gardeplatz kamen ihr vor wie der Gang zum Henker. Doch komischerweise wurde sie ruhiger, je näher sie kam. Als wenn sie abgeschlossen hätte.

Die Angst, dass ihr Cassian dahinterstecken könnte, war irgendwann verflogen. Geblieben war nur der Gedanke, dass sie höchst wahrscheinlich heute sterben würde.

Sie war nicht irgendein Burgherr, ein Richter oder jemand vom niederen Adel. Sie hatte die Hauptstadt der dunklen Landen unter sich. Sie war zudem der Kopf der Triarchie, sie war bekannt. Und sie hatte sich im Laufe der Jahre einige Feinde gemacht. Daher rechnete sie fest damit, dass jemand engagiert wurde, der sein Handwerk verstand. Jemand, der das Risiko einschätzen konnte, jemand, der Erfahrung hatte. So einer würde nicht daneben schießen.

Juhne wurde formell begrüßt, als sie beim Appell eintraf. Sie stand neben dem Hauptmann, abgeschottet so gut es ging durch Vika, doch konnte die auch nicht überall sein. Es hatten sich ein paar der Bürger Vespers genähert, die scheinbar vermuteten, dass etwas Spannendes passieren würde, wenn schon die Statthalterin persönlich anwesend war. Es folgte die Wachablösung, die Inspektion durch den Hauptmann. Als nächstes wollte Juhne ein paar Worte an die Männer richten. Dazu kam es allerdings nicht mehr.

Es war nur ein dumpfer Aufschlag eines toten Körpers auf dem gepflasterten Boden. Es hatten sich kaum ein halbes Dutzend Köpfe zu dem Geräusch umgedreht, dennoch dauerte es nur wenige Sekunden, bis der gesamte Gardeplatz in Aufruhr war. Eine der Bürgerinnen schrie überrascht auf, als sie den Leichnam am Boden liegen sah. Grade als sich Juhne in die Richtung drehen wollte, wo die Unruhe ihren Ursprung hatte, wurde sie schon grob und erbarmungslos zur Seite gedrängt. Sie spürte die geballte Kraft ihrer Leibgardistin, als diese sich schützend auf sie warf und Juhne in die Nische zwischen Mauer und Hauswand gedrängt wurde. Sie merkte nicht einmal, wie sich die Spitze der Hellebarde in ihre Wade bohrte, sie verließ sich nur auf ihre Sinne, die wieder und wieder prüften, ob sie einen Pfeil im Leibe hatte.

War es das? War das das gesamte Attentat? Oder würde noch was folgen? Sie reckte den Kopf aus ihrer liegenden Position hoch um zu sehen, wer da tot auf das Pflaster gestürzt war, doch schirmte Vika sie noch immer ab. Die Gardisten nahmen Stellung, der Hauptmann brüllte Befehle, die Bürger waren in heller Aufruhr. Und noch immer kam Juhne nicht auf die Beine, dabei hatte sie nun schon drei Mal Vikas Namen gesagt.

Es war letztendlich ein Energieschub, den sie gegen ihre Freundin wirkte und die davon unsanft zwei Meter fortgeschoben und zu Fall gebracht wurde. Das brachte allerdings den Hauptmann auf den Plan, denn gerade als Juhne sich aufgerappelt hatte, sah er die Leibgardistin am Boden liegen. Was auch immer in seinem Kopf vorging, er sah es scheinbar als Bedrohung an und es war in seiner Pflicht, die Statthalterin zu schützen. So wurde der Feuerhexe wieder der Weg versperrt, als der Hüne sie abschirmte. Langsam flammte in ihr die Wut auf.

In ihrer aufrechten Position war ihr immerhin ein kurzer Blick auf den toten Körper gelungen. Er trug dunkle, unauffällige Töne, eine Kapuze, den Bogen hatte er noch in der Hand. Er war von normaler Größe und Statur. Ja, es hätte definitiv Cassian sein können.

In ihr machte sich die Angst breit. Nicht die Angst um ihr Leben, sondern um seines. Sie betete aus zweierlei Gründen zum Einen, dass der Tote am Ende des Gardeplatzes nicht der Mann war, den sie liebte, denn dann wäre er nicht nur der Attentäter gewesen, sondern er wäre zudem nun auch noch tot. Ihretwegen.

Sie musste dorthin, sie musste sich vergewissern, und doch zog sich alles in ihr zusammen bei dem Gedanken, die Kapuze des Mannes zu heben. Es konnte nicht Cassian sein. Es würde nicht Cassian sein. Sie hatte sich nicht in ihm getäuscht, sie wusste, dass er sie wirklich liebte.

Noch immer spürte sie den Schmerz der Wunde an der Wade nicht, als sie versuchte, sich den Weg über den Platz zu bahnen. Der Mann lag sicher kaum eine Minute dort, doch war es für sie, als würde sich alles deutlich langsamer bewegen.

Den Schutz des Hauptmannes wehrte sie mit einem kurzen magischen Schild ab. Als würde er mitten in der Luft gegen ein Hindernis prallen. Doch dann sah sie schon zwei der einfachen Gardisten auf sich zukommen, die sich schützend vor sie stellen wollte. Sie hatte kaum einen Schritt zu dem toten Attentäter gemacht, als sie wieder abrupt innehalten musste. Die Wut darüber loderte heiß in ihr auf. Der Flammenstrahl aus ihren Händen war auch für sie nicht mehr zurückzuhalten und trag die beiden Männer in Brusthöhe. Wieder kam sie zwei Schritte voran, ihr Blick war starr auf den Mann am Boden gerichtet.

Es brauchte nicht mehr viel, um die junge Magierin zur Eskalation zu bringen. Die Angst der letzten Stunde, die Sorge um Cassian, die Wut darüber, sich ihr in den Weg zu stellen, vermischte sich zu einem einzigen großen flammenden Wirbel, der sich um sie herum bildete und ihr damit die letzten Meter zu dem Leichnam ermöglichte. Kaum war sie da, erstarben die Flammen wieder. Sie ging runter auf die Knie.

Was zur gleichen Zeit hinter ihr geschah, konnte sie auch später nicht sagen. Ihr Blick war fixiert auf den grobgewebten Stoff der Kapuze, auf den Bolzen, der scheinbar aus dem Auge des Schützen ragte. Sie musste nur noch eine Handbewegung machen und sie würde sehen, ob sie ihn verloren hatte. Oder… ob sie ihn nie wirklich für sich gewonnen hatte.

Es wurde plötzlich still. Je näher sich ihre Hand der Kapuze bewegte, desto ruhiger wurde es um sie herum. Sie hörte die Gardisten in ihren Plattenrüstungen nicht mehr, hörte keine Leute mehr durcheinander rufen. Kurz noch hielt sie inne. Dann schob sie dem Toten die Kapuze zurück.

Sie taumelte direkt nach hinten, als sie dem Mann ins Gesicht sah. Er hatte die Augen noch geöffnet, aus dem rechten ragte der Bolzen heraus und er sah seltsam überrascht aus. Ozeanblaue Augen. Ein gestutzter blonder Bart. Sie brauchte nicht zweimal hinsehen um zu wissen, dass das sicher keine nujanidische Abstammung war.

Es brauchte ein paar Momente bis die Erleichterung auch in ihrem Kopf ankam. Erst dann wurde ihr bewusst, dass sie noch immer mitten auf dem Gardeplatz stand, vielleicht noch immer in großer Gefahr, dass um sie herum Chaos herrschte. Vika war grad dabei sich wieder aufzurappeln, der Hauptmann ebenso. Die beiden Gardisten waren zusammengesackt. Ihr Feuerwirbel hatte einen Baum in der Nähe zu einer riesigen Fackel gemacht.

Es fiel ihr nicht leicht, ihre Gedanken zu sortieren, doch sie musste sich beruhigen, logisch und nach Plan handeln. Und sie musste aus dem Schussfeld raus. Das einfachste war also wohl ein Mondtor.

Kurze Zeit später stand sie mit Vika und dem Hauptmann vor der Bank. Der Feierabend würde sicher noch lange auf sich warten lassen. Dabei wollte sie eigentlich nur eines in dem Moment: Nach Schattental.

      
 
Juhne
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13.1.20 17:29

Der Tag des Attentats war nun schon einige Zeit her. Dennoch merkte Juhne, dass ihr das Ereignis immer noch in den Knochen steckte. Noch immer drehte sich jede Sitzung in Vesper darum, noch immer wurde diskutiert und es wurden noch immer Ideen gesammelt, wie man die junge Magierin besser schützen konnte.

Sie hatte ihn nicht verraten. Das war auch das Problem dabei. Jeder dachte, dass es da draußen noch einen Schützen gab, der so verdammt gut war, dass er über eine doch nicht zu verachtende Distanz den Attentäter durchs Auge in den Schädel schießen konnte. Was, wenn dieser nicht aus Schutz für die Statthalterin gehandelt hatte? Was, wenn dieser sich einfach nur die Belohnung selbst einstecken wollte und bald selbst zuschlug? Denn würde jemand, der den Anschlag verhindern wollte, sich nicht melden und die Sache aufklären?



Sie hatte noch die entsetzten Gesichter ihrer Leute vor Augen, als sie nach dem Attentat in ihrem Büro angekommen waren. Hatte sie wohl selbst auch so erschrocken ausgesehen? Aber keiner von ihnen hatte das Blut gemerkt, das langsam aus Juhnes Stiefel lief. Jeder Schritt hinterließ einen schmalen Stiefelabdruck auf dem Boden. Kane war es, der die Statthalterin genau musterte, als er von dem Anschlag hörte und die Gruppe der Leute darauf aufmerksam machte, dass sie verletzt war. Erst jetzt setzte der Schmerz ein.

Sie saßen noch lange zusammen. Vikas Gemüt hatte sich relativ schnell beruhigt, schützend stand sie vor der Tür des Büros, wie immer im Einsatz. Der Hauptmann ging unruhig hin und her, machte sich Vorwürfe, dass er nichts davon geahnt hatte. Kane war merkwürdig still. Er hatte sich Juhnes Verletzung angenommen, die Wunde gereinigt, sie genäht und einen Verband angelegt. Ihm stand die Sorge ins Gesicht geschrieben. Sie war sich nicht ganz sicher, welchen Ursprung seine Gefühle waren. Seid Cassian hier aufgetaucht war, zweifelte sie daran, dass es reiner väterlicher Beschützerinstinkt war. Er hatte allerdings bei keinem anderen ihrer Männer so feindlich reagiert.

Ihr selbst brummte der Kopf. Ihr Büro war erfüllt von Worten, von draußen drang der Lärm von Plattenrüstungen durch die Fenster. Immer noch wurden irgendwo Befehle gebrüllt. Sie hatte Mühe ihre Gedanken zu sortieren. Wo war wohl Cassian?

Irgendwann kam das erlösende Klopfen aus ihrer Tasche, oder mehr aus dem Kristall, der sich darin befand. Kane sah verwirrt zur Tür, Vika hatte ihre Hand ohnehin durchgehend auf ihrem Schwertknauf. Doch Juhne entschuldigte sich nur und verschwand in ihren Privatgemächern.

Er war es. Er meldete sich bei ihr. War das nicht ein gutes Zeichen?

Sie hatte es plötzlich furchtbar eilig, aus dieser Stadt rauszukommen. Sie schloss die Diskussionsrunde an diesem Abend mit ein paar rigorosen Worten und dem Befehl, sich am nächsten Morgen wieder hier einzufinden. Damit nahm sie ihre Tasche, ignorierte den Einspruch des Kommandanten und verschwand mit ihrem Stab in der Hand.

Sie wusste, dass dieser Abend nicht einfach werde würde. Wenn er nichts mit der Sache zu tun hatte, nicht einmal etwas davon wusste – und vorausgesetzt, er liebte sie wirklich – wäre er sicherlich geschockt. Wenn er davon gewusst hatte, dann wurde nun deutlich, dass er es ihr dennoch verschwiegen hatte.

Sie hatte Mühe, die vielen unebenen Stufen bis zum Haus emporzusteigen. Ihre Wade puckerte mittlerweile unangenehm, zudem hatte Vikas grobes Handeln, als sie sie schützen wollte, dafür gesorgt, dass Juhnes Seite vom Knie bis zur Brust von Blutergüssen gezeichnet war.

Cassian hatte ein Blick für sowas. Sie hatte kaum zwei Schritte in sein Haus gesetzt, als er schon fragte, wo sie verletzt war. Allerdings brauchte sie auch nicht lange um zu merken, dass er wusste, dass sie heute einem Attentat entgangen war.

Es waren einige Worte an diesem Abend gefallen, manche hitzig, manche ruhig, die meisten verletzend, auf beiden Seiten. Letztendlich ließ sie ihn auf seinen Wunsch hin alleine. Wahrscheinlich war es besser so. Sie war allerdings kaum nur wenige Minuten in ihrem Haus, da vermisste sie ihn schon.

Sie verzog sich in ihr Bett, mit ihrem Lieblingsbuch und einem Rest von Fergus‘ Rum. An Schlaf war kaum zu denken, doch sie konnte die Buchstaben auf den Seiten des Buches so oft lesen wie sie wollte, es drang nichts zu ihr durch. Stattdessen schweiften ihre Gedanken immer wieder ab, landeten in Iragroth, am Bergsee, am Spähposten und nicht zuletzt in dem kleinen Haus vor Schattental. Doch am meisten dachte sie daran, dass Cassian ihr heute Abend das Leben gerettet und sein eigenes riskiert hatte.

Doch sie wusste, dass die Situation schwierig war. Nicht nur, dass er nichts von dem Schützen gesagt hatte, sondern im Allgemeinen. Und sicher waren ihre Worte, ihr Misstrauen verletzend gewesen. Sie liebte ihn. Das stand für sie fest. Und war es nicht das was zählte? Wog das nicht immer mehr als alles andere?

Sie brauchte lange bis sie in dieser Nacht Ruhe fand. Vermutlich hätte das ohne den Rum nicht einmal geklappt, doch nickte sie irgendwann gegen zwei Uhr nachts ein. Und vermutlich hätte sie bis in den Morgen ihren kleinen Rausch ausgeschlafen, wenn nicht das leise Tocken aus dem Kristall gekommen wäre.

Er wollte nach Vesper. Um nach einem verdammten Stück Stoff zu suchen. Auch wenn es mitten in der Nacht war, die Stadt war gerade wie ein Wespennest. Es wäre nicht klug, wenn er dort auf dem Dach nach den Resten seines Umhanges suchen würde. Fergus Leute würden auf der Lauer liegen, es würden mehr als das doppelte an Wachen patrouillieren. Und auch, wenn ihr Bein, aber noch mehr ihre zerschundene Seite sie halb umbrachte, sie würde nicht riskieren, dass Cassian etwas passierte.

Sie wusste, welche Stelle er meinte. Sie hatte eine direkte Rune dorthin, zwar nicht aufs Dach, aber das war kein großes Problem. Doch so gründlich sie sich dort auch umsah, sie konnte nichts entdecken. Letztendlich zog sie erfolglos wieder ab und nutzte ihre Rune, um ihm direkt Bescheid zu sagen. Er war nicht begeistert. Natürlich nicht. Doch immerhin wollte er nun, dass sie blieb.

Es waren nur wenige Stunden, die sie in seinen Armen verbrachte. Dann folgte der nächste Schock…

      
 

 
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