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Ruben
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Ruben 12.9.17 14:03

"Und dass du mir heile wiederkommst, ja? Und lass von dir hören, Junge, ja?" Ygritte strich ihrem Sohn nochmal über die raspelkurzen Haare und drückte ihm einen Kuss auf die Wange. Ruben zog los.

"Und geb auf dich acht! Vergiss uns nicht!" schallte es ihm noch nach und er drehte sich nochmal um, hob die Hand und winkte. Seine Mutter sah besorgt aus, seine Schwester weinte. Er allerdings war euphorisch.

Er war schon ne ganze Weile unruhig. Seit Monaten trieb es ihn immer mehr ins Umland, zog es ihn raus in die Wälder. Anfangs war er abends immer wieder zu Hause, nach und nach blieb er auch mal über Nacht weg, später dann sogar mehrere.

Das war der Punkt, an dem er sich mit seinem Vater zerstritten hatte. Ruben hatte immer im Haus geholfen, hatte sich ums Land gekümmert, hatte Holz geschlagen, Feldarbeit verrichtet, die Tiere versorgt, die Liste nahm kein Ende.

Und er war es einfach leid. So sehr er seine Eltern und seine Schwester liebte, doch war ihm der ewige Zwang zuwider. Immer nur funktionieren, immer gehorchen und sputen.

Doch sah er sich selbst als Freigeist, schon mit seinen 15 Jahren. Er konnte den Sinn nicht dahinter sehen, sein Leben lang zu arbeiten, nur um dann mit geschundenen Knochen tot ins Grab zu fallen. Die Welt hatte so viel zu bieten, man musste sie nur erkunden. Warum sonst sollte es so wundervolle Orte wie Wasserfälle, Lichtungen im Zwielicht oder meilenweite Wüsten geben, wenn man sie nie zu Gesicht bekäme? Seiner Meinung nach musste Arbeit nur dann sein, wenn es ums Überleben ging. Was brauchte man denn sonst? Was nützten einen all die angehäuften Reichtümer? Machen sie wirklich glücklich?

Ruben schloss sich davon aus. Ihm war es nicht wichtig, ein seidenes Hemd zu besitzen, nur weil Seide im Volksmund als besonders teuer und edel angesehen wurde. Er brauchte auch keine goldene Uhr, kein diamantbesetztes Schwert oder teure Möbel aus Bananenholz. Er brauchte nichtmals ein Dach überm Kopf.

Als er loszog, fühlte er sich gut. Er war neugierig drauf, was er hinter den Grenzen der Provinz, in der sein Elternhaus stand, entdecken würde. Er freute sich auf Kontakte mit anderen Völkern, war gespannt drauf, Leute kennen zu lernen. Menschenscheu war er nie gewesen. Er hatte allerdings auch nichts dagegen, alleine zu sein. So fiel es ihm die ersten zwei Jahre recht leicht, einfach kreuz und quer durchs Land zu streifen, dahin zu gehen, wohin es ihn grad zog, die Ruhe zu genießen, das Lied der Stille zu hören.

Als er 17 war, lernte er Cassian kennen. Er war ein Jahr jünger als Ruben, wirkte in manchen Belangen aber erwachsener als er. Rubens Haare waren zu der Zeit schon kinnlang, er trug Vollbart, man sah ihm die zwei Jahre im Wald an, weder im positiven noch im negativen Sinne. Es war leicht, mit ihm ins Gespräch zu kommen, beide junge Männer verband die Liebe zu einem guten Krug Bier und die Unabhängigkeit von allen und jedem. So entschloss Ruben sich, eine Weile in der Gegend zu bleiben, sie jagten zusammen, wurden gute Freunde.

Cassian fiel es als erstes auf, Rubens Talent, mit Tiere umzugehen. Das, was Ruben immer schmunzelnd als Zufall abgetan hatte, erkannte Cassian als Regelmäßigkeit. Es waren oft die sowieso schon eher zahmen Stadttiere, wie Katzen, Hunde oder kleine Singvögel, die Ruben regelrecht nachliefen. Doch zeigte sich auch nach und nach in der Wildnis eine gewisse Begabung dafür. Wo er früher noch mit Hasenfallen und durch kleine Hilfstätigkeiten auf Gestüten über die Runden kam, so fiel es ihm immer leichter, sich selbst zu verpflegen. Es war ein Kinderspiel für ihn, sich einen Grauwolf gefügig zu machen, der ihm dann ein Reh riss. Und er würde dieses erste Festmahl niemals vergessen. Die Nacht, die Cassian und Ruben am Lagerfeuer saßen, tranken und sich die Bäuche mit zarten, rosafarbenen Rehfleisch vollschlugen.

Es war nur ein paar Tage später, als er auf dem Marktplatz war. Da lernte er Sheera kennen...

      
 
Ruben
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13.9.17 15:36

Es war nicht dieser "Wow"-Effekt, sondern es kam schleichend. Und wo er schon lange weitergezogen sein wollte, bleib er.

Ruben hatte Sheera auf dem Marktplatz gesehen, wie sie sich umsah, hier und da etwas in die Hand nahm, mit den Verkäufern schäkerte und sich sogar einen Apfel erlächelte. Sie war eine Frohnatur, war beliebt, offen und freundlich. Nie im Leben wäre er also einfach zu ihr hingegangen und hätte sie angesprochen. Was hätte er denn sagen sollen? Sich einfach vorstellen? Machte man das so bei Frauen, die einem gefielen?

Stattdessen tat er nichts. Aber zwei Tage später sah er sie wieder, in einer Taverne, in der er mit Cassian ein Bier trank. Sheera wurde vom Tavernenwirt mit Vornamen begrüßt und Cassian musste Rubens aufmerksamen Blick gesehen haben, denn er stand direkt auf und bugsierte die blonde Schönheit an ihren Tisch.

Erst ins Gespräch gekommen war Ruben wie immer: offenherzig, humorvoll, höflich, einfach ein netter Kerl. Der Abend ging lange und endete darin, dass er Sheera nach Hause brachte. Cassian hatte sich schon vor einigen Stunden mit einem Grinsen verabschiedet.

Von da an trafen sie sich häufiger. Und je mehr Zeit Ruben mit ihr verbrachte, desto mehr merkte er, dass sein Herz verrücktspielte. Und auch wenn Ruben nie auf einer Schule war, so wusste er, was sich gehörte.

So fing er an, Sheera den Hof zu machen und er war selber etwas verwundert, wie schnell er damit Erfolg hatte. Es war kaum eine Woche später, als er von ihr geküsst wurde. Sie küsste ihn! Nicht andersrum, wie es hätte sein sollen, zumindest seiner Ansicht nach.

Da Sheera sich mit ihrer Mutter zerstritten hatte, hatte sie Unterschlupf bei ihrer Tante gefunden, deren Haus allerdings vor eigenen Kindern schier platzte. Daher war es an Ruben, dass er eine Arbeit in einer Schreinerei annahm, um Gold für eine Wohnung zu verdienen. So schaffte er täglich seine 12 Stunden am Hobel, um die Wohnung in der Stadt bezahlen zu können. Und dazu noch all das, was Sheera so brauchte.

Sie kam nicht aus einem sonderlich gutem Elternhaus, doch liebte sie die vielen schönen Dinge, die es auf dem Markt zu kaufen gab und nur zu gern erfüllte Ruben ihr jeden Wunsch, sofern es ihm möglich war. Der Dank war stets ein strahlendes Lächeln und diese funkelnden blauen Augen, die ihm entgegensahen, wenn er ihr etwas Schönes mitgebracht hatte. Er genoss die Zeit, mit der Frau, die er liebte, zusammen zu leben, die Abende miteinander zu verbringen, jemanden zu haben, dem man alles anvertrauen konnte, jedes Geheimnis, jede tiefste Emotion.

Was dabei jedoch auf der Strecke bleib, und was er selber erst merkte, als es vorbei war, war er selbst. Es war an einem Abend des Ruhtages, der einzige Tag wo Ruben nicht zur Schreinerei ging, als Sheera heim kam. Ruben hatte sich auf einen freien Tag zusammen mit seiner Liebsten gefreut, doch war sie den gesamten Tag über nicht aufzufinden gewesen. Als sie spät Abends durch die Tür trat, fragte er sie mit einem vorsichtigen Tonfall:"Wo warst du? Ich hatte gehofft, wir unternehmen etwas miteinander."

"Wir waren alle unten am See, Vivian hatte ihre Geige mit, wir haben getanzt und Rotwein getrunken." - "Warum sagst du mir das nicht? Ich wär gern mitgekommen, ich hatte den ganzen Tag Zeit." - "Ach Ruben, was soll ich dir sagen? Du... bist halt einfach nicht mein Typ!"

Mit diesen Worten, einem Schulterzucken und einem unschuldigen süßen Lächeln ging sie wieder hinaus.

Cassian berichtete ihm am Folgetag verwundert, dass er Sheera spät Nachts noch gesehen hatte, wie sie mit jemanden mitging. Ruben war vielleicht etwas naiv, aber blöde war er nicht. Er war wieder alleine. Das Thema war erledigt. Dennoch brauchte es einige Monate, bis das auch bei seinem Herzen angekommen war.

      
 
Ruben
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18.9.17 12:58

Als sie ging, glaubte er erst noch an einen Scherz. Wie konnte er denn bitte nicht ihr Typ sein, wo sie doch nun schon ein halbes Jahr zusammen gelebt hatten? Und was war das überhaupt für ne blödsinnige Aussage? "Du bist halt nicht mein Typ... Verliebt man sich überhaupt in wen, der nicht sein Typ ist?

Als Cassian ihn am nächsten Tag besuchte und ihm kaum in die Augen schauen konnte, wusste er, dass was nicht stimmte. Dann, als Ruben selbst damit rausrückte, dass Sheera ihn gestern Abend scheinbar verlassen hatte, erzählte Cassian davon, dass er sie spät nachts noch gesehen hatte, in Begleitung zweier Männer und wie sie mit einen von denen später mitging.

Ruben wurde schlagartig kotzübel. Kurz darauf spürte er Cassians Hand, die ihm auf die Schulter klopfte: "Mach dir nichts draus, gibt noch andere schöne Frauen. Die wars sowieso nicht wert."

Das waren halt die Aussagen, die Freunde trafen, um zu trösten, die in diesen Momenten aber nur selten wirklich durchdrangen. Stattdessen durchlebte er in den nächsten Wochen die fünf Phasen, die vermutlich jeder Verliebte schonmal durch hatte. Es fing an mit dem Unglaube und mit der Hoffnung, dass alles nur ein Irrtum war, dass sie gleich wiederkam und alles in Ordnung wäre. Er konnte einfach nicht glauben, dass sie ihn verlassen hatte und dazu noch auf solch eine Art.

Ein paar Tage später kamen die Verzweiflung und die Sehnsucht. Er war zwar den gesamten Tag über zum Arbeiten, aber wenn er dann Abends heim kam, schlug alles wieder über ihn zusammen. Er saß die nächsten Abende einfach nur in der Stube, aß nicht mals mehr etwas, sah nur abwartend auf die Uhr und hoffte, der Tag möge sich schnell dem Ende neigen.

Es brauchte ein paar Tage bis er merkte, was mit ihm passiert war. Die Haare waren mittlerweile stumpf geworden, der Bart wucherte wild vor sich her, er hatte kein sauberes Hemd mehr im Schrank. Da setzte die Wut ein. Wut auf sich, auf sie, auf jeden, der ihm grad in die Quere kam. Und als ihm klar wurde, wer an seinem desolaten Zustand die Schuld hatte, begann der Hass. Und der war erstmal wunderbar befreiend.

Alles, was sich aufgestaut hatte in den letzten Wochen, brach nun raus. Ruben war eigentlich nie der Typ für derlei Ausbrüche gewesen, doch war dies immernoch besser, als in Sehnsucht und Selbstmitleid zu ersticken.

Er sah nach und nach ein, dass er zurück zu seiner Linie musste. Und da zögerte er auch nicht lange, Nägel mit Köpfen zu machen. Er kündigte die Mietwohnung, die er mit Sheera bewohnt hatte, verabschiedete sich von seinem Chef in der Schreinerei und packte die paar wenigen Sachen ein, die er wirklich brauchte. Doch als er mit gepacktem Rucksack dann vor Cassian stand, fiel ihm der Abschied doch deutlich schwer.

Einen besten Freund zu haben war etwas, das nicht jeder hatte und es tat ihm leid, dass sich ihre Wege trennten, doch er wollte nicht länger in einer Stadt bleiben, in der vermutlich schon die Hälfte der Männer mit seiner Verflossenen geschlafen hatten. Also zog er weiter, so wie er es geplant hatte. Doch die fünfte Phase, die Gleichgültigkeit, kam erst viele Monate später, als er schon hunderte Meilen entfernt war.




Es war zwei Jahre später, als er Elli kennen lernte. Sie war ruhig, hatte ein herzliches Lächeln und einen einnehmenden Humor. Man mochte sie einfach. Sie verbrachten ein paar Tage viel Zeit miteinander und beide konnten später nichtmals mehr sagen, wie es dazu gekommen war, doch wurde es eine Nacht deutlich ernster. Und wo andere Männer, Cassian mit eingeschlossen, sich von Liebschaften und kurzen Vergnügen ernährten, so merkte er, dass das einfach nicht seine Art war. Er hatte Elli gern, aber er liebte sie genauso wenig wie sie ihn. Und gemeinsame Nächte ohne Liebe funktionierten einfach nicht für ihn. Die Küsse fühlten sich falsch an, Berührungen waren wie Wiederholungen von alten Liebschaften. Sie bereuten diese eine Nacht zwar nicht direkt, doch am nächsten Morgen war die Stimmung angespannt. Und beide wussten wohl, dass dieses Auf Bald das letzte sein würde.

      
 

 
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