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Khendra Dravan
Spieler

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Das Tagebuch 26.2.12 10:32

[I]Das Licht des Kerzenleuchters erhellte gerade mal den kleinen Tisch an dem sie vor dem Buch mit den vielen unbeschriebenen Seiten saß. Nachdenklich kaute sie auf dem Federkiel herum, den sie in der Hand hielt und seufzte dann tief. Eigentlich hatte sie sich vorgenommen alles aufzuschreiben was sie bewegte, um so ihrer Unsicherheit und Verwirrtheit Herr zu werden, die sie seid Tagen überfallen hatten und Juhne aber so richtig in Wut versetzten, denn sie schien alles vergessen zuhaben, was ihre Lehrerin ihr beigebracht hatte. Aber kaum hatte sie die Feder in die Hand genommen, da waren sie auch schon da, die Zweifel, und nichts, aber auch gar nichts wollte sich auf dem Papier zeigen. Sie schloss die Augen und zwang sich zur Ruhe, so wie man es ihr im heiligen Hain beigebracht hatte&.wie lange war das schon her. Ein verträumtes Lächeln legte sich auf ihre Lippen und dann wanderten ihre Gedanken zurück und ohne, dass sie es bewusst wahrnahm, begann die Feder immer schneller über die leeren Seiten zu huschen und gaben frei was die Gedanken der jungen Frau so sehr gefangen hielt.[/I]

Da stand ich nun, weit weg von meinem geliebten Wald zuhause. Die Dunkelheit war schon längst hereingebrochen und bald mochte es wohl Mitternacht sein im Wald von Schattental. Ich liebe diese Zeit, sobald sich die Tore der Stadt schlossen, denn dann kehrte hier im Wald endlich Ruhe ein und man konnte die Natur tief durchatmen hören. Ob ich keine Angst hatte hier inmitten der dunklen Bäume und wilden Tiere? Aber weshalb hätte ich die denn haben sollen? Seit ich denken kann bin ich oft mit der alten Muhme des Nachts durch den Wald gewandert auf der Suche nach eben jenen Kräutern, die nur unter dem Licht des silbernen Mondes ihre ganze Pracht entfalten und immer waren die Tiere des Waldes unsere Begleiter. Die meisten Menschen wissen gar nicht wie wunderschön der Wald unterm Licht des Mondes ist. Sicher würde mich nun einer dieser Stadtmenschen fragen, weshalb meine Eltern mich überhaupt des nachts im Wald umher streifen ließen. Nun es mag daran liegen, dass ich meine Eltern nie kennen gelernt habe und auch die alte Muhme hat sie in meiner Gegenwart nie erwähnt, nur oft ziemlich unwirsch reagiert, wenn ich früher nach ihnen fragte. Ich wäre von der Amme aus dem Dorf zu ihr gebracht worden, das war das einzige, was sie jemals darauf antwortete und danach war sie meistens tagelang ziemlich wortkarg und missgelaunt. Solcherlei Fragen stellte ich allerdings nicht sehr oft, denn was kann es für ein kleines Mädchen schöneres geben als eine liebevolle Muhme und die Freiheit des Waldes. Wenn ich heute so zurückdenke hatte ich eine wundervolle Kindheit, in der es mir an nichts mangelte, ich sah eher mitleidig auf die anderen Kinder in ihren sauberen Kleidchen, sorgsam darauf bedacht sich nicht schmutzig zu machen, weil sie sonst den Gürtel des Vaters zu spüren bekamen. Ich musste auch nie in diese dumme Dorfschule, was aber nicht heißt, dass ich nicht lesen und schreiben kann, im Gegenteil, die alte Muhme achtete sehr darauf, vielleicht mehr als der Dorfbüttel, der die Kinder im Dorf unterrichtete. Ich musste genauso aus alten Büchern lernen, aber mein Schulzimmer war der Wald und meine Mitschüler Eichhörnchen und Hasen die neugierig bei mir saßen und mich beobachteten. Aber auch wenn ich wie alle anderen meine Nase in Bücher steckte, viel mehr Wert legte meine Schulmeisterin darauf, dass ich mir die einzelnen Kräuter und ihre besondere Wirkung merkte, vor allem wo und wann man sie fand und aberntete. Hier war sie unerbittlich und zeigte des Öfteren, dass sie sehr wohl auch zu strafen verstand, warum das so war sollte ich erst viel später erfahren.

Ja, ich hatte eine wunderschöne Kindheit, aber auch sie endete irgendwann, wie bei allen aus dem Dorf, ich denke sogar viel früher als bei den anderen Kindern. Doch während die anderen nun alle möglichen Arbeiten lernen mussten, begann meine besondere Lehrzeit, die bis heute andauert und wohl auch nie enden wird. Muhme ließ mich immer mehr spüren, welche wundervolle Kraft in den Dingen um mich herum war und nur darauf wartete von mir entdeckt zu werden. Keiner kann das verstehen, welch erhabenes Gefühl es ist diese Kraft zu spüren, kennt nicht diesen Schauer der durch einen hindurchgeht, denn anderen fehlt der feine Sinn dafür, den ich und manch andere unter ihnen auch ihr eigen nennen. Denn dass es mehr Frauen gab, die all dies spürten, erfuhr ich in jener Nacht, in der mich meine Lehrmeisterin zu einer Lichtung tief im Wald führte, so tief dass sich niemand hierher verirrte. Hier tauchte ich ein in eine andere Welt, in der jede Frau die Schwester der anderen war und in der man meiner alte Muhme mit großem Respekt behandelte und die Oberste Schwester nannte. Ich selbst wurde neugierig und freudig von einer jeden begrüßt und wenn sie mich bei den Händen fassten dann spürte ich immer wieder dieselbe unbändige Kraft, die anscheinend in ihnen war. Nein nicht dieselbe Kraft, denn als mich eine rothaarige Frau mit Namen Savannah bei den Händen hielt da spürte ich mehr... das war nicht nur Kraft, nein, das war Wildheit, ungezügelt, ja ich glaubte ein loderndes Feuer zu spüren. Savannah hielt meine Hände auch länger fest als alle anderen und es schien mir, als horche sie in mich hinein und es dauerte lange bis mich mit einem feinen, ja zufriedenen Lächeln wieder losließ. Sie war es auch, die sich den ganzen Abend um mich kümmerte, denn die Muhme war viel zu beschäftigt dazu, und ich genoss geradezu Savannahs Nähe und Fürsorge. Viel mehr weiß ich heute nicht mehr von dieser ersten Nacht bei den Schwestern, alles war so neu und aufregend, dass ich mich irgendwann fühlte als hätte ich zu viel Met getrunken. So fühlte ich mich denn auch am nächsten Morgen, aber Muhme lächelte nur zufrieden und umsorgte mich liebevoll.

[I]Die junge Frau erwachte aus ihren Gedanken und sah sich einige Momente verwirrt um, bevor ihr Blick auf das Buch und die beschriebenen Seiten fiel. Sie lächelte zufrieden, endlich war es ihr gelungen zu schreiben und wenn es auch nur ein kleiner Anfang war, spürte sie doch das ein winziger Teil ihrer Ruhe zurückgekehrt war. Für heute sollte es aber genug sein, denn sie gähnte herzhaft und spürte wie der Schlaf sie übermannte. Schnell schlüpfte sie aus ihrem Kleid und unter die warme Decke um wenig später schon tief und fest zu schlafen.... und bald träumte sie von hohen Bäumen und duftenden Waldwiesen.[/I]

      
 
Khendra Dravan
Spieler

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20.3.12 19:58

[I]Frisch gebadet kam Khendra mit einem um die Haare gewickelten Handtuch in ihr kleines Zimmer zurück. Sie ließ sich glücklich seufzend aufs Bett fallen, ein Fehler den sie auch sogleich schmerzhaft bereute, denn die letzten Jagdausflüge hatten ihr doch einige blaue Flecken und Prellungen beschert. Aber die paar Schmerzen waren es ihr wert, war sie doch so jeden Tag immer ganz nah bei IHM, diesem wundervollen Mann, der ihr jeden Tag aufs neue den Kopf verdrehte. Ihr Blick fiel auf das Tagebuch, welches sie vor einiger Zeit begonnen hatte, um ihrer Unsicherheit und Verwirrtheit Herr zu werden. Sie ging hinüber und mit einem verträumten Lächeln lass sie die geschriebenen Zeilen, die sie, je länger sie las, wieder in ihre Kindheit zurückführten und ohne es selbst zu bemerken begann die Feder aufs neue über das Papier zu huschen....[/I]

Das kleine Feuer vor mir im Wald von Schattental prasselte vor sich hin und übte einen fast unheimlichen Zwang aus, der mich in die Flamme starren ließ. Ich spürte seine Kraft und Wildheit und ergriff sie mit all meinem Willen, worauf die Flamme hell aufloderte. Ich lächelte zufrieden und ließ das Feuer wieder frei, während ich vom Baumstamm rutschte und mich an ihn lehnte. Feuer  schon immer hatte es mich besonders angezogen und in seinen Bann geschlagen, aber meinen Willen über den seinen zu stellen war mir lange nicht gegeben, dazu fehlte mir noch die nötige Unterweisung einer Schwester, welche ich aber bald bekommen sollte. Seit der ersten Begegnung mit den Schwestern des Zirkels hatte mich die Muhme immer wieder zu ihren Zusammenkünften mitgenommen, ja sie überließ mich sogar für einige Zeit immer einer anderen Schwester, denn jede von ihnen hatte ihr eigenes Element, von dem sie besonders viel Kraft erhielt, und sollte mir dieses nahe bringen. Zwei von ihnen prägten dabei mein weiteres Leben, denn durch sie erfuhr ich wundersame Wandlungen. Die eine war Savannah, jene rothaarige Schwester die mich beim ersten mal so lange und forschend ansah und schon dort wusste, dass ich dem Feuer näher stand als allen anderen Elementen. Die Tage bei ihr vergingen wie im Fluge, denn von ihr lernte ich voller Eifer, ja ich konnte nie genug bekommen und oft sah ich sie zufrieden lächeln, wenn sie meine Fortschritte sah. Aber ich werde niemals in meinem Leben das stolze Funkeln in ihren Augen vergessen, als sie mich alleine vor die Feuerschale im Pentagramm treten lies und ich dort das geweihte Feuer allein durch meinen Willen entfachte. Sie nahm mich wortlos in ihre Arme und von diesem Augenblick an hatte niemand, auch ich nicht, einen Zweifel mehr, welcher Weg der meine war und von diesem Tag an bin ich ihn auch gegangen. Die andere Schwester war Evandre, eine ruhige, geduldige Schwester, eine Geduld, die sie auch mehr als einmal brauchte, denn bei ihr lernte ich Sienara kennen, mit der ich mich von der ersten Minute an verbunden fühlte. Sie wurde die einzige, der es gelang, mich zu zügeln und zu beruhigen, wenn das Feuer in mir wieder einmal zu hell loderte bei unseren Streichen die wir den anderen spielten. Nichts war vor uns sicher und einige Male entkamen wir nur knapp dem herab sausendem Besen einer aufgebrachten Schwester, und die Standpauken meiner Muhme waren ziemlich heftig, was uns aber nicht besonders störte. Sienara stand auch an meiner Seite, als ich meine Weihe bekam und in den Kreis des Zirkels aufgenommen wurde. Sie selbst aber konnte nie ihre Unsicherheit ablegen auch wenn nur zu deutlich war, dass in ihr dieselbe Kraft wie in allen Schwestern schlummerte, und so zog sie schließlich weiter um ihren eigenen Weg zu finden, der ihr doch eigentlich schon längst vorgezeichnet war.

Das Feuer wurde kleiner, war doch das Holz langsam aufgezehrt, welches es nährte. Ich streckte mich etwas und sah zum langsam erwachenden Himmel empor. Sienaras Weggang hatte damals eine Wunde in mir geschlagen, die nie verheilen wollte, so als hätte man einen Teil von mir weggenommen. Meine Wildheit, die durch ihren Einfluss gezügelt worden war , brach nun wieder mit aller Kraft hervor und mein Jähzorn ließ so manches Feuer außer Kontrolle geraten, bis die Muhme mich schließlich hieß, ich solle mich auf die Suche nach Sienara machen, da ich sonst selbst für die Schwestern zu einer Gefahr wurde. Savannah erwirkte noch eine Schonfrist und nahm mich noch eine Weile zu sich, um mich auf das Leben außerhalb unseres Waldes vorzubereiten, schließlich wusste ich so gar nichts von dem was da draußen vor sich ging. Mit großen Augen hörte ich ihren Erzählungen und Ermahnungen zu und schwor mir allem außerhalb der Waldes mit Misstrauen zu begegnen. So gerüstet verließ ich also den Zirkel und hatte mich aufgemacht Sienara zu suchen und schließlich hatte ich sie gefunden...obwohl, eigentlich war sie es ja die mich fand. Eines Morgens lief sie mir in Schattental einfach über die Füße, so als habe sie Ilindir selbst zu mir gebracht, und es gab ein freudiges und herzliches Wiedersehen.

Von der Freude ist nichts mehr da, denn Sienara ist schon wieder einmal verschwunden, aufs neue vor sich selbst geflohen, aber dieses Mal werde ich ihr nicht hinterher eilen. Ich hatte die Aufgabe erfüllt, die mir die Muhme aufgetragen hatte und sie gefunden. Ich konnte doch nicht mein ganzes Leben hinter Sienara her eilen. Nein, nun musste ich sehen, dass ich mein Leben ordnete, es so ausfüllte wie die Göttin es von mir erwartete. Ich stand seufzend auf und wandte mich Schattental zu, zurück bleibt nur ein kleines Feuer, welches wie als Zustimmung noch einmal hell auflodert und dann müde einschlummert, denn verlöschen wird ein Feuer niemals.

[I]Khendra erwachte wie aus einem Traum und sah ungläubig auf das kleine Buch. Schon wieder hatte sie geschrieben ohne es zu bemerken, als hätte jemand anderes ihre Hand geführt. Wollte gar Ilindir, dass sie alles niederschrieb was in ihrem Leben geschah? Wenn dies so war dann würde sie nun regelmäßig ihre Erlebnisse niederschreiben, denn dem Willen der Göttin durfte sie nicht zuwider handeln. Mir diesen Gedanken verkroch sie sich müde ins Bett und war schon bald darauf eingeschlafen, wie immer mit den Gedanken bei IHM.[/I]

      
 

 
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