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Richard Barclay
Spieler



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Vom Leben und Untergang eines Seemanns 04.6.13 21:24

Laut ließ Richard die Tür ins Schloss fallen. Er gab sich nichtmal Mühe sie leise zu schließen, auf wen sollte er auch Rücksicht nehmen. Den Sack mit der Beute warf er achtlos zu den anderen dutzend Taschen, die er bis heute nicht ausgeräumt hatte. Auf dem Weg in sein Schlafzimmer testete er fünf verschiedene Flaschen auf einen möglichen Inhalt und entkorkte dann genervt eine neue, die er direkt ansetzte und zu einem Drittel leerte.

Es war ansich ein guter Tag gewesen, er hatte einen neuen Freund gewonnen, ein wenig den Bogen genutzt und hatte allerhand Schätze gehoben. Und es war ihm Recht, dass er kaum mehr jemanden von seinem und Khendras Freundeskreis traf, denn die Leute würden sicher merken, wie schlecht er im Bogenschießen geworden war. Er konnte kaum mehr ein kleines Ziel treffen, die fetten Dämonen heute strengten ihn schon an.

Als Richard merkte, dass seine Hände zitterten, nahm er einen weiteren Schluck von dem Teufelszeug, was der Wirt auf Pax Hydros verkaufte. Es kostete ihn einige Sack Gold extra, ständig jemanden zu schicken, um ihm diesen Rum kistenweise ranzukarren. Dazu noch das Gold, was Richard für das Schweigen des Lieferanten zahlte, denn sollte der Wirt natürlich nicht erfahren, dass er der Abnehmer war. Er hatte es sich damals, als er durch Khendras und Cassandras Hilfe die Sucht bezwungen hatte, mit dem Wirt auf Pax verscherzt, denn durch ihm fehlte ihm eine erhebliche Geldquelle. Allerdings sollte ihm der Verlust nun doppelt und dreifach gezahlt werden, denn das
magenwegätzende Zeug, was der Wirt Rum nannte, war das einzige, was Richard noch beruhigen konnte. Leider war Reichtum und Sucht eine gesundheitsgefährdende Kombination.

Als es ihm kurz schwindelig wurde, stellt sich Richard vor die Waschschale und schöpfte mit beiden Händen das kühle Nass auf die blasse Haut seines Gesichts. Danach blickte er auf und besah sich im Spiegel. Wiedermal von sich selbst schockiert, schloss er die Augen und atmete tief durch. Was war nur aus ihm geworden. Als er in Sosaria ankam, als er Cethren kennen lernte, war er so eitel gewesen, dass er sich nichtmal mit einer kleinen Schramme am Wangenknochen auf die Straße wagte. Nun waren seine himmlisch schönen blauen Augen geziert von tiefen Augenringen, seine sonst glänzenden, rabenschwarzen Haare waren strohig und stumpf, die Haut hatte deutlich an Farbe verloren, das gesunde Braun von der Seefahrt war fast verschwunden. Einzig sein aufgesetztes charmantes Lächeln war ihm geblieben, eins der Dinge, die seine Maskerade aufrecht hielt. Das und seine lockere Art, auf Menschen, vor allen auf Frauen zuzugehen.

Er wendete den Blick vom Spiegel ab, nahm seine halbleere Flasche und setzt sich auf den breiten Fenstersims in seinem Schlafzimmer und blickte rüber zu seinem Schiff, das recht verlassen und grünspanansetzend vor Anker lag. Selbst für seine geliebte "Sturm der Sirenen" hatte er kaum mehr Interesse, Und auch nur noch wenig für die See, die sich hinter der Kogge erstreckte. Einst seine große Liebe, verblasste das tiefe Blau nicht nur vor seinen Augen, sondern auch in seiner Erinnerung. Er erinnerte sich nicht mehr mit tiefer Leidenschaft an seine Zeit auf dem großen Handelsschiff, auf dem er der 1. Navigator war. Ansich versuchte er schlichtweg nurnoch, den nächsten Tag zu überleben.

Er dachte, die Jagd mit den beiden Frauen und dem nujanidischen Beschwörer hätte ihm im wahrsten Sinne etwas Aufwind gegeben, doch kaum hatte er den tristen Raum, zugemüllt mit leeren Flaschen und schmutzigen Kleidungsstücken betreten, fiel er wieder in den alten Trott, nämlich Selbstmitleid und Saufen. Er hatte erstaunlich lange durchgehalten, seitdem Khendra ihn verlassen hatte, bevor er wieder zur Flasche gegriffen hatte. Doch wem sollte er noch was beweisen, für wen sollte er standhaft bleiben. Sie wusste genau, was sie tat, als sie ging, dachte sich Richard immer. Sie wusste von Bea und sie wusste von Cethren, und trotzdem war sie gegangen. Sie war gegangen und hatte sein Leben mitgenommen, sein Leben, seine Liebe und seine Leidenschaft. Er hatte alles, was er liebte, für diese Frau aufgegeben, die See, dass Handelsschiff, seinen besten Freund, die Mannschaft, seine Freiheit. Zurückgeblieben war ein Mann von 28 Jahren, der nicht mehr Herr über seine Sinne war, der seinen Bogen kaum mehr führen konnte, der wahllos jede Frau umwarb, nur um die Anerkennung zu kriegen, die er früher mit Leichtigkeit bekam. Und der insgeheim hoffte, er würde Abends irgendwann mit brennender Kerze einschlafen und Fallen Leaf würde sich am nächsten Tag mit Schrecken erzählen, dass der Seemann oben auf dem Berg in den Flammen umgekommen war. Und er konnte nur hoffen, dass Hydros dann ein Platz für ihn hatte.

Eine Weile saß Richard noch auf dem Sims und schaute aufs Meer, summte das Lied, das er einst Khendra vorgesungen hatte; vom verlorenen Seemann, auf den in der Heimat seine Frau am Fenster wartet. Mit dem letzten Schluck leerte Richard die nächste Flasche Rattengift, ließ sie wahllos in irgendeine Ecke rollen, in der sie an ein Dutzend anderer Flaschen klirrte.

Was hatte ihm das Leben noch zu bieten? Er kannte nichtmal ansatzweise die Antwort auf die Frage. Doch was er wusste war, dass er am nächsten Morgen das Rasiermesser nutzen und die Maske des charmanten, hübschen Mannes aufsetzen würde, um seinem armseligen Leben noch ein Tag Frist zu gewähren.

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Khendra Dravan
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Die Macht der Erinnerung 10.6.13 08:44

Sie schob mit zittrigen Fingern die Tür auf, welche sich mit leisem Knarren öffnete und den Blick auf den großen Raum frei gab den sie nur zu gut kannte. Während sie langsam die Kapuze zurückschob und die wilden, ungebändigten roten Locken frei gab wanderten ihre Augen lebhaft durch den Raum, der für sie voller Erinnerungen und Träume war. Nein , sie erwartete nicht jemand hier anzutreffen, man hatte ihr schon am Hafen gesagt das er vor langer Zeit die Inseln verlassen hatte, und doch hatte es sie hierher gezogen. Ihre Augen fielen endlich auf jene Tür, hinter den sie den Steg wußte, der hinaus aufs Meer ragte und sie musste unwillkürlich Schlucken. Lange stand sie reglos da , konnte sich nicht rühren, so mächtig und wild kamen sie zurück all jene Gefühle, die hier scheinbar nur drauf gewartet hatten das sie zurückkam.

Endlich, nach schier unendlicher Zeit öffnete sie jene Tür und trat hinaus, hinaus auf den Steg auf dem sie oft stundenlang gesessen hatten aneinander geschmiegt, manchmal einfach dem Klang des Meeres lauschend, die Nähe das anderen geniessend, der andere der einfach immer da gewesen war, der andere der nun weg war. Und kaum hatte ihr Fuss die Planken betreten stand er einfach vor ihr, hielt seine Laute in der Hand und sie hörte seine Stimme, jenes Lied das er für sie immer gesungen hatte, und ihre Beherrschung schwand. Sie sank zu Boden und weinte hemmungslos, ihre Tränen vermischten sich mit dem Tropfen der Gischt die an den Steg brandete, die Hände vors Gesicht geschlagen. Was hatte sie nur getan, wie konnte sie damals nur so töricht sein einfach zu gehen und ihn ohne Nachricht zurücklassen. Ja, die Schwestern hatten sie gerufen, sie hatten sie gebraucht und sie durfte nicht zögern um das Schlimmste zu verhindern, aber das war nicht der einzige Grund gewesen. Sie hatte Angst gehabt, Angst gebunden zu sein, ein Vogel in einem goldenen Käfig zu sein, hübsch anzusehen aber unfähig zu fliegen. Und sie hatte Angst gehabt ihn zu enttäuschen, doch nicht das sein zu können was er suchte, was er brauchte, Angst so zu werden wie jene vor ihr, die ihm weh getan hatten. So war sie gegangen und damit genau so geworden wie die Frauen vor ihr. Wie konnte sie nur so blind und töricht sein, so naiv und so wankelmütig. Und selbst dann , als ihr das bewußt geworden war kam sie nicht zurück, aus Angst vor seinen Augen die sie anklagend anblicken würden, seinen harten Worten die wie Peitschenhiebe sein konnten, so beissend und verletzend, und aus Angst seine kalten Worte zu hören.

Doch sie konnte dem allen nicht entfliehen, sie hatte keine Ruhe gefunden und würde sie auch niemals finden. Sie musste zurückkommen, ihn wenigstens noch einmal sehen und sich all dem stellen was sie angerichtet hatte, und so hatte sie sich auf den langen Weg ihrer Erinnerungen zurückgemacht, jener Erinnerungen die sie nun mit aller Wucht übermannt hatten. Sie musste hier weg, sie hielt es nicht aus, jeder Stein dieses Hauses war zu einer einzigen Anklage geworden und mit ihrer letzten Konzentration zu der sie fähig war öffnete sie das Portal und warf sich hindurch, ganz gleich wohin er führen würde, nur einfach weg von hier. Zurückblieben nur Erinnerungen und der Klang eines Liedes, welches einmal das schönste aller Lieder der Welt gewesen war......

      
 
Richard Barclay
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19.6.13 13:48

Er schaffte es grade so in den Garten. Also war er keine Sekunde zu früh von Khendra abgehauen. Auf seinem kleinen Flecken Grün, dass Richard sein eigen nannte, sackte er schwach auf die Knie, hustete und erbrach einen Schwall Blut auf der Wiese. Danach rollte er sich zur Seite und krümmte sich, fühlte, wie sein Herz schmerzhaft arbeitete und sein Magen kollabierte. Ihm schossen die Tränen in die Augen und er ließ sie laufen. Er war sich sicher, dass Khendra ihm nicht folgen würde, nicht heute, dafür war er grad zu fies zu ihr gewesen. Und es war ihm recht. Er hatte sich dieses Ende ausgesucht... allerdings hätte er nicht gedacht, dass sein Tod schmerzhaft sein würde. Denn immer wenn er an seinen Abschied gedacht hatte, war er einfach abends eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht.

Aber nun lag er hier, heulend und vor Schmerz stöhnend und schreiend. Dazu kamen noch die unangenehmen Nebenwirkungen des Entzuges, den er unfreiwilligerweise seit zwei Tagen durchlebte. Sein Lieferant ließ sich nicht mehr blicken, er reagierte auf keine Nachrichten, die er beim Banker hinterließ, war auf Pax nicht mehr gesehen. Er hatte es mit dem Fusel versucht, den er bei Annerl bekam, doch war das nur Wasser im Gegensatz zu dem magenwegätzenden Zeug, das er für seine Sucht brauchte.

Dass Khendra wieder aufgetaucht war, hatte sein Leben komplett durcheinander geworfen. Er hatte die Phase der Sorge hinter sich, gefolgt von Sehnsucht, dann die Wut und geblieben war der Hass. Und mit Hass konnte er gut umgehen. Wieder zur Flasche gegriffen hatte er in der Phase der Sehnsucht, seit der Wutphase hatte er allerdings wieder den Spaß an der Jagd für sich entdeckt, an Frauen und Drachen gleichermaßen. Und jetzt war sie wieder da und er wusste nichtmal annähernd damit umzugehen. An einem Tag wünschte er sie zum Teufel, doch kaum war sie weg, vermisste er sie so heftig, dass er wahnsinnig wurde. An anderen Tagen konnte er sich kaum zügeln, dieser unglaublichen Schönheit an die Wäsche zu gehen, doch flammte nur kurze Zeit später wieder der Hass in ihm auf, dass es doch ebendiese Frau war, die ihm all sein Glück und seine Zukunft genommen hatte und es flogen nicht nur verletzende Worte, sondern auch Flaschen und andere Dinge. Und so spielten Hass und Liebe in seinem inneren ein imaginäres Tauziehen, wann immer sie sich sahen oder auch nicht sahen. Und nicht selten endete solch ein Kampf in Tränen und Delirium.

Er hatte bisher immer Glück gehabt, dass Khendra seine geröteten Augen dem Alkohol und Schlafmangel zuschrieb. Letzteres verband sie mit den vielen Liebschaften, die Richard vor der Beziehung mit ihr hatte und um die er auch keinen großen Hehl machte. Allerdings war dem nicht mehr so, obwohl er es ihr gerne so vorspielte, um sie zu verletzen. Er hatte immer die Karten offen auf den Tisch gelegt, wenn es um Frauen ging. Aus diesem Grund hatte er nun auch mit seiner letzten Bekanntschaft einen Schlussstrich gezogen. Sein Gewissen hatte deutlich darunter gelitten, das Mädchen Kira zu küssen und dabei an Khendra denken zu müssen. Und für Kira war es letztendlich besser, sich nicht in einen Mann zu verlieben, der zumeist nur Abenteuer für eine Nacht suchte und zudem bald schon dem Leben abdankte. Doch es blieb immer noch das Problem Khendra, seine verhasste, große Liebe.

Er musste wohl eingeschlafen sein - oder ohnmächtig - denn er wurde wach, als es schon wieder dämmerte. Er merkte nur zu gut, dass er noch lebte, denn Magen und Rücken schmerzten um die Wette. Murrend zog Richard sich ins Haus bis zu seinem Bett und kroch darauf, nur um weiter einen tiefen Schlaf zu finden.

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Khendra Dravan
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21.6.13 06:24

Fassungslos und den Tränen nahe stand sie eine Weile regungslos da nachdem er vor ihren Augen verschwunden war, so sehr hatten sie Richards Worte verletzte und getroffen, welche er ihr entgegen geworfen hatte. Was war nur passiert? Hatte sie irgendwas gesagt das sie ihn zu solch einem Ausbruch verleitet hatte? Sie zermatterte sich ihren Kopf, doch je mehr sie es versuchte um so mehr verwischten sich ihre Gedanken, tat es ihr mehr und mehr weh bis sie es nicht mehr aushielt. Weg, nur weg von hier, irgendwohin wo ihr diese Worte nicht mehr in den Ohren hallten.

Als sie wieder einigermassen klar denken konnte sah sie sich um und seufzte. Wieder einmal war sie unbewußt zu jenem Haus auf den Zwielichtinseln gesprungen, in welchem sie eins so unsagbar glücklich waren. Soviele schöne Erinnerungen waren mit ihm verbunden aber auch die Erinnerungen an Richards Entzug von jenem Gift das er nun wieder pausenlos in sich hinein schüttete. Und sie war schuld daran, von dieser Schuld konnte sie sich ebenso wenig freisprechen wie davon ihn einfach verlassen zu haben und ihn so wieder in diese Sucht getrieben zu haben. Wieder spürte sie die Tränen aufsteigen und ging einfach weiter, weiter zu jenen Orten die sie wohl immer mit ihm verbinden würde und lies ihren Gedanken freien lauf.

Vielleicht war es ein Fehler gewesen nachzuforschen wohin Richard nach seinem Wegzug von den Inseln verschwunden war, aber sie konnte einfach nicht anders, sie musste ihn unbedingt noch einmal wiedersehen, ihm sagen wie sehr es ihr leid tat und das sie wußte welchen Fehler sie gemacht hatte, auch wenn sie damit wohl seinen ganzen Hass zu spüren bekommen würde. Ohja wie sie ihn zu spüren bekommen hatte! Es war eigentlich ein Wunder das er ihr nicht den Hals umgedreht hatte, als sie sich in Fallen Leaf völlig unvorbereitet trafen, aber das lag wohl auch an dem Auftauchen einer seiner alten Freunde daß ihn davon abhielt. Sie wußte das er sich nur mühsam beherrschte, konnte nur erahnen was für ein Sturm in ihm tobte als er aus der Bank stürmte und verschwand, und doch folgte sie ihm, als wäre sie durch ein unsichtbares Band an ihn gebunden das sie nun zu ihm zog. Sie wußte schon längst wo sein Haus stand und so war es nicht schwer ihn wieder zu finden.

Der Wind wehte über den Strand der Inseln und durch ihr Haar, sie lächte ein wenig. Ja da Meer war immer seine große Liebe gewesen und mit der Zeit hatte sie diese Liebe zu ihrer eigenen gemacht. Sie seufzte leise denn schon wieder war nur Richard in ihren Gedanken. Egal was er sagte oder tat, wie verletzend seine Worte waren, sie liebte ihn noch immer und wünschte sich nichts sehnlicher als ihn zurückzu bekommen, seine Liebe wieder zu gewinnen. Dabei hatte er ihr an dem Abend bei seinem Haus mehr als deutlich gemacht, wie sehr er sie hasste und zum Teufel wünschte. Nein eigentlich noch schlimmer als das, sie wäre ihm gleichgültig geworden. Oh jedes seiner Worte traf sie bis ins Innerste, es war schlimmer als sie es sich vorgestellt hatte, und doch... nein sie gab die Hoffnung nicht auf. Denn es gab immer wieder Momente wo er sie still lächelnd ansah und in seine Augen die vertraute Zärtlichkeit lag, seine Stimme sanft und einfühlsam wurde, und in diesen wenigen Augenblicken wußte sie daß seine Liebe zu ihr niemals gestorben war.

Unbewußt spielte sie mit dem Kristall in ihrer Tasche, jenem wundervollen Ding das es ihr ermöglichte ihn zu hören und zu sprechen auch wenn er hunderte von Meilen entfernt war. Warum hatte er nicht in ihrer Heimat funktioniert, sie hätte ihm doch schon dort alles erklären könne, ihn um Verzeihung bitten können, aber war tot geblieben und hatte sie nun wieder hierher zurück gebracht, zurück zu ihm, ihrer einzigen und großen Liebe, die immer in ihrem Herzen sein würde. Sie schloss die Augen ..was stand sie hier denn noch herum, sie hatte seine roten Augen gesehen, das Zittern seiner Hände, er brauchte sie doch bei sich und nicht hier am Strand stehend. Mit einem Ruck riss sie sich von dem Anblick des Meeres los und öffnete das Portal das sie zu ihm brachte. Liese und vorsichtig stieg sie die Stufen zu seinem Haus empor und sah sich um. Der Morgen graute schon , solange war sie ruhelos umher gewandert und so konnte sie einen letzten Blick auf ihn erhaschen wie er grade im Haus verschwand. Ihr entging auch nicht die Blutlache im Gras, er musste wohl wieder einen jenen furchtbaren Anfälle gehabt haben , die ihn Unmengen von Blut husten liesen, aber er lies es ja nicht zu das sie oder irgendjemand anders ihm half. Nun endlich flossen die Tränen, die sie die ganze zeit zurück gehalten hatte. Er würde an diesem Rattengift sterben wenn nicht bald etwas passierten, sie würde ihn verlieren, ihn, ihren über alles geliebten Richard. Oh Ilindir bitet hilf mir doch, bitte lass ihn endlich vernunft annehmen und sich von mir helfen lassen! Ihr Hilfeschrei an die Göttin war nicht mehr als ein Flüstern im Wind, als sie weinend am Gartentor zusammensackte. Sie weinte sich in einen tiefen unruhigen Schlaf, zusammengekauert im Gras, aber nichts in der Welt hätte sie von hier weggebracht, denn hier war sie endlich wieder bei ihm und nichts konnte dieses Gefühl jemals auch nur ansatzweise erreichen...

      
 
Richard Barclay
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03.8.13 12:59

"Vielleicht eine Rose für die Liebste?" brachte das kecke Mädchen im Blumenladen in Schattental ihm entgegen, als Richard diesen betrat. Und genau deswegen war er dort, so wie jeden dritten oder vierten Tag. Er wählte heute einen großen Strauß weißer Lilien. Er mochte diese Blumen, sie hatte etwas wunderschönes und waren dazu doch irgendwie wild und abstrakt. Richard bezahlte das Blumenmädchen wie jedes Mal großzügig und kaum einen Augenblick später stand er an Deck von Khendras Hausboot, genoss die Brise und sah sich nach seiner Liebsten um, doch nur um mal wieder festzustellen, dass sie nicht da war. Mal wieder.

Er stellte die Vase mit den Lilien auf den Tisch, neben dem Strauß aus roten Rosen, die mittlerweile welk waren und die Köpfe hängen ließen. Khendra hatte sie wohl nicht zu Gesicht bekommen, selbst die Karte steckte noch zwischen den Blüten. Er hoffte, dass dies bei den Lilien anders werden würde, auch wenn die Chance gering war.

Danach sah er sich um, alles war noch genau wie vor drei Tagen, als er die Rosen hier abstellte. Khendra hatte noch immer nicht die fremden Möbel gegen eigene getauscht. Er fühlte sich fremd hier, trotz der Näher zum Meer und der frischen Luft, die er liebte. Er versuchte wahrlich, Khendras Handeln zu verstehen, doch fiel ihm dies immer schwerer.
Erst verließ sie ihn, dann tauchte sie wieder auf, bettelte und flehte, ihr zu vergeben. Er hatte den Sprung über seinen Schatten gewagt und grade, als es anfing, sich in einer gewissen Form gut und richtig anzufühlen und er ihr sagte, dass er sie liebte, verschwand sie wieder, wenn auch nicht komplett aus seinem Leben. Er hatte sie seit dem Abend in Löwenstein nicht mehr gesehen, wo er sie zurückwies, als sie ihm mitten in der Bank an die Wäsche ging. Vermutlich war eben dies sein Fehler gewesen. Doch wie, außer mit Briefen und Blumen, sollte er sie wieder versöhnlich stimmen, falls das der Grund war, warum sie ihn offensichtlich mied. Falls er es nicht war, war er einfach nur überfragt.

Sicher, er war in den letzten Wochen nicht immer einfach gewesen und es fielen Worte, die verletzend waren, doch war dies auf beiden Seiten gewesen und sie hatten sich darüber ausgesprochen. Was sollte er also noch tun, außer zu Kreuze kriechen und betteln und bitten. Doch wenn sie sich nichtmals die Briefe und Karten ansah, die er ihr hinterließ. Anfangs hatte er noch stundenlang auf ihrem Schiff gewartet, in der Hoffnung, sie dort abzufangen, doch hatte er auch damit kein Glück.

Es gab Zeiten, wo er sich durchaus gut fühlte. Das war immer dann, wenn er etwas zu tun hatte und das war viel zu selten. Und vor allem überkam ihm nach einer Unternehmung die Sehnsucht gleich doppelt so stark und schmerzhaft als sonst. Konnte solch eine Form von Liebe noch gesund sein? Und war es tatsächlich von den Göttern so vorgesehen, dass ein einzelner Mann so zu leiden hatte, einen Tiefpunkt nach dem anderen zu verschmerzen hatte, während es dem Rest der Welt scheinbar gut ging? Oder verbargen es die anderen nur so gut, dass es niemand sah und waren die Götter schließlich nur kleine Jungen mit einer Lupe und einem Ameisenhaufen? Letztendlich war dieser Zustand besoffen besser zu ertragen gewesen, aber sollte er wirklich ein drittes Mal rückfällig werden?

Mit den Beinen Schwung holend und tief seufzend erhob sich Richard von Khendras gemieteten Polstermöbeln, zupfte den Strauß Lilien nochmal in Form und verließ das Schiff. Er konnte nur hoffen, dass das Mädchen bald zur Vernunft kam. Er war nicht in der Verfassung, weiter mit sich spielen zu lassen.

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29.12.13 11:03

Richard wachte schweißgebadet auf und schaffte es grad noch so, sich zur Seite zu drehen, um in den Kübel neben sich einen Schwall Blut zu spucken, der sich in der Schlafenszeit angesammelt hatte. Der Medicus hatte ihm wieder das Mittel mitgegeben, dass er auch während des letzten Entzugs genommen hatte. Dies wirkte auch, allerdings nur nach einer gewissen Vorlaufzeit. Bis die Wirkung einsetzte, hatte er sich mit Magenkrämpfen, Übelkeit und Schmerzen rumzuplagen, die ihm die Sinne nahmen. Aber es war immernoch besser, als sich weiter mit Rum zu betäuben.

Er war während der gesamten Jagd sowieso schrecklich unkonzentriert gewesen, hatte mehr im Staub gelegen, als ein Dutzend Jagden davor zusammengerechnet. Es wäre also klüger gewesen, die Sache abzubrechen, doch wollte er nicht mit sich und seinen Gedanken alleine sein. Und als Selja dann plötzlich noch weg war, ohne dass er es überhaupt mitbekommen hatte bei diesem Ameisenhaufen von Jagdgesellschaft, war er völlig durch den Wind. Doch machte er ihr keinen Vorwurf, daran würde er nicht im Traum denken.

Doch was beim Henker war los mit ihr gewesen. Erst der komische Besuch, dann ihre Art in Hythloth, dieses, tja wie sollte mans nennen, gegrummelte -Du bist mir noch was schuldig- und die Entkräftigung, die keine 2 Minuten darauf folgte. Vielleicht lag Robert mit dem Spitznamen Frauenversteher, den er Richard gegeben hatte, falsch? Nein. Nicht Vielleicht. Absolut falsch! Dazu kam, dass sie ihm auswich, fing er ein Gespräch an; oder er hatte schlichtweg nicht kapiert, was sie ihm sagen wollte, was ihn auch nicht wundern würde. Vielleicht hatte sie sich eine andere Reaktion von ihm gewünscht, als sie ihm Fragen nach einer möglichen Zukunft stellte. Vielleicht wollte sie eine Sicherheit, er allerdings hatte sich überrumpelt gefühlt. Nicht mit einer Silbe hatte sie bisher verlauten lassen, dass sie über so etwas nachdachte. Und er hatte das Thema vermieden, weil es ohnehin nur zum Streit führte, solange sie ihren Ehering trug.

Nun hatte er ihr Antworten versprochen, auch wenn sie kurze Zeit darauf meinte, er solle den Besuch und das Gesprochene einfach vergessen. Wie könnte er? Jeder, der die zwei ein wenig kannte, sah, was zwischen beiden vorging. Was nur keiner wusste war, dass sich Selja immernoch streng an ihr Wort hielt und ihren Ehemann nicht betrog. Und jetzt fragte sie nach Zukunft, Kinder, Kritik der Freunde?

All das schwirrte ihm auf der Dracheninsel im Kopf umher, mechanisch legte er einen Pfeil nach dem anderen auf, die meißten trafen sogar. Was allerdings ebenso traf, war die Wucht des Schwanzes des blauen Wyrm, und zwar genau dort, wo Richard am schwächsten war, seinen Rum-zerfressenen Magen. Er hatte eigentlich vorgehabt, der Einladung Leanders zu folgen, auch wenn er den Kerl nicht leiden konnte. Doch so blieb er im Bett, nicht dass er hätte aufstehen können, und das einzige, was seine Gedanken einnahm, war Selja.

Selja... Was damals mit einer harmlosen Flirterei und gelegentlichen Treffen begann, war zu etwas geworden, dass er liebte und was er brauchte wie eine Droge. Er machte vor ihr keinen Hehl daraus, dass er Sehnsucht hatte, war sie nicht bei ihm und dass er sich weitaus mehr wünschte als das, was sie hatten. Diese Frau war der Volltreffer, mit all ihren Ecken und Schwächen und auch den Eigenschaften, die er als seinen Kompromiss bezeichnete. Doch schrumpften die wenigen negativen Aspekte zu einem Nichts zusammen, sobald er in diese Augen schaute, ihr unverkennbares Lachen hörte, er ihre Lippen auf seiner Wange spürte, er ihre samtene Haut berührte.

Eng knautsche er das von ihr getragene Hemd an sich und dämmerte wieder in einen unruhigen Schlaf. Doch waren seine Gedanken geordnet. Er war sich nur nicht sicher, ob Selja sie überhaupt noch hören wollte.

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