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Cassian
09.1.20 15:56 · Thread: Cassian - stille Wasser sind tief · Forum: Geschichten

Sie trafen sich wie immer an der kleinen Lichtung am Feuer. Meistens waren es Belanglosigkeiten, die sie zu Beginn austauschten. Wie es der Familie ging, was die Kinder machten. Niemand hätte an dem Gespräch etwas anderes vermutet. Und niemand hätte vermutet, dass die noch relativ junge Frau keine harmlose Hausfrau und Mutter war.
Auch dieses Mal wechselte das Thema irgendwann und wie immer lauschte er ihr einfach nur. Als sie jedoch Vesper erwähnte, spannten sich seine Schultern ein wenig an.
Es kostete ihn einiges, sich nichts anmerken zu lassen und sie in Ruhe ausreden zu lassen, bevor er begann Fragen zu stellen.
Eigentlich wollte er nach dem Treffen in sein Haus zurückkehren. Doch daran war nun nicht mehr zu denken. Es gab schon immer und würde auch immer Gerüchte geben. Man musste nur wissen, was davon man einigermaßen ernst nehmen konnte und was nicht.
Das Angebot, welches sie ihm vorgetragen hatte, stammte nicht von ihr direkt. Aber sie hatte es weitergegeben. Mit nur einem Namen und einem Treffpunkt.
"Ich weiß, dass du solche Aufträge nicht mehr annimmst, aber ich dachte ich sage es dir dennoch. Mit allen Konsequenzen."
Mit den Worten hatte sei sich am Ende verabschiedet.
Und sie hatte recht, er hatte schon seit Ewigkeiten nicht mehr in dieser Richtung agiert, doch scheinbar würde er nun keine wirkliche Wahl haben.

Jemand wollte die Statthalterin tot sehen.

Das war nichts Neues. Noch vor einigen Wochen wäre ihm das reichlich egal gewesen. Doch dann war sie in sein Leben getreten. Einfach so bei einer Jagd. Mehr durch Zufall.
Und was daraus geworden war, konnte er selbst noch immer nicht glauben. Gerade er, der Einzelgänger, der lieber irgendwo alleine im Wald unterwegs war hatte sich Hals über Kopf verliebt.
Es war wie ein Donnerschlag, der immer noch nachhallte.
Dabei sprachen sicherlich tausend Gründe gegen jede Art von Verbindung, am meisten sicherlich ihr beinahe fanatischer Glaube an den Einen, mit der er absolut nichts anfangen konnte und wollte.
Aber zum ersten Mal in seinem Leben musste er lernen, das man gegen ein Herz mit Verstand gar nicht so einfach ankam. Vor allem nicht, wenn man es gar nicht wollte, weil auf einmal alles einen Sinn ergab.

Und nun machte der Auftrag die Runde der Statthalterin einen Pfeil ins Herz zu jagen.

Als sie weg war wanderte er eine ganze Weile unruhig durch den Wald. Ein Plan nach dem anderen kam ihm in den Sinn und ebenso schnell verwarf er sie auch wieder.
Hin und hergerissen kam er am Ende doch zu einem Entschluss. Er konnte den Auftrag nicht einfach ablehnen, zumindest nicht sofort und vor allem nicht solange er nicht wusste, wer der Auftraggeber war.

Das Treffen fand also statt. Natürlich nicht mit ihm, für diesen Fall hatte er einen alten Freund, der ihm in dieser Hinsicht schon mehr als einmal einen Gefallen getan hatte. Danach war es ein leichtes dem Kerl zu folgen. Es würde nur eine Frage der Zeit sein, bis er wusste von wem der Auftrag stammte und bis klar war, wer ihn ausführen würde, sobald er sein Nein gab.
Bisher hatte er nichts weiter als Interesse angedeutet. Wahrscheinlich würde man sich damit nicht lange zufrieden geben.
Doch dieses Mal hatte er Glück, oder vielleicht war der Auftraggeber auch einfach zu naiv, zu selbstbewusst, auf jeden Fall handelte er eher arglos und ging am Ende sogar soweit dem Schützen die Anzahlung persönlich zu übergeben.
Er hatte nicht viel Mühe einen Namen zu erfahren und noch weniger in einem kurzen Rundgang über den Markplatz von Vesper ein paar pikante Details. Allerdings musste er sich hierzu in Vesper aufhalten und er hatte keine Zweifel, dass dieser Aufenthalt nicht unbemerkt blieb.

Die Rückkehr zu ihr war grausam.
Nur ein Blick und er wollte es ihr sagen, sie warnen, sie bitten das Haus nicht zu verlassen. Doch er wusste, dass er damit nur einen Aufschub erreichte. Er war sogar kurz davor es ihr zu sagen, sie immerhin zu warnen damit sie acht geben konnte, doch um alles in der Welt wollte er verhindern, dass sie um ihr Leben bangen musste. Auch wenn es sicher nicht das erste Mal war.
Dreh und Angelpunkt seines Planes war ihr vollkommen normales Verhalten.
Doch tief in seinem Inneren spürte er, dass nichts an dieser Situation mehr normal war.
Es war besser, dass sich augenscheinlich ihre Wege wieder trennten. Dass er sie dennoch nicht aus den Augen ließ, musste sie zu dem Zeitpunkt nicht wissen.

Als der Appell anstand war er bereits lange auf seinem Posten. Und er brauchte auch nicht sonderlich lange zu warten. Natürlich wusste ein ehemaliger Gardist den genauen Ablauf, er wusste wann die Wachen die Mauer verließen und wie lange sie nur gen Westen geschützt war. Allerdings machten sich auch hier Fehler bemerkbar. Der Schatten auf der Mauer war mehr als einmal zu sehen bis er Position bezog und er trug einen Bogen bei sich. Abgesehen davon, dass die Waffe für diesen Zweck zu viel Aufsehen erregte, war ein Pfeil niemals so effektiv wenn es um Durchschlagkraft ging, wie ein gut abgeschossener Bolzen.
Und dann war es wieder einmal so, dass die Welt um ihn herum langsamer wurde. Er hörte sie ankommen, er hörte die gerufenen Befehle, den Ruf eines Vogels in der Nähe, spürte die harten Schindeln des Daches unter sich und lag dennoch vollkommen ruhig da, den Finger am Abzug. Aus den Augenwinkeln nahm er eine Bewegung in der Nähe war, konzentrierte sich aber dennoch vollkommen auf das Ziel auf der Mauer.

"Setzt euer Herz kurz aus, bevor ihr den Pfeil loslasst?"

Er hatte die Frage noch im Kopf und sie hallte leise nach als er den Abzug durchdrückte. Er wartete nicht ab bis die Leiche auf dem Boden aufkam, sondern rutschte sofort zur Seite weg, denn die Bewegung aus dem Augenwinkel war kein Hirngespinst, jemand war auf dem Weg zu ihm.
Anstatt den langen aber sicheren Weg nach unten zu nehmen, sprang er und für einen Augenblick wurde ihm die Luft aus den Lungen gedrückt und ein stechender Schmerz durchfuhr seinen Rücken.
Das Pflaster von Vesper war um einiges härter als der Waldboden.
Nur Sekunden später war er zwischen den Häusern verschwunden.

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Cassian
03.1.20 22:35 · Thread: Cassian - stille Wasser sind tief · Forum: Geschichten

Die Kapuze in die Stirn gezogen trat er durch das Tor, welches der Magier ihm eröffnet hatte. Wie jedes Mal traf ihn ein prüfender Blick auf der anderen Seite. Tore aus Schattental wurden immer misstrauisch beäugt, auch wenn sie von außerhalb der Mauern kamen.
Er merkte allerdings selbst, dass er sich langsam etwas freier in Vesper bewegte. Vielleicht war er mittlerweile oft genug in der Stadt gewesen, vielleicht war er sich auch einfach sicher, dass seine Zeit bei der Wache keine Rolle mehr spielte, es war immerhin schon eine Weile her.
Wachsam war er dennoch.
Normalerweise führte ihn sein Weg nur zur Bank und vielleicht zur Taverne, die er aber dennoch eher mied.
An diesem Abend machte er sich auf den Weg in den Norden der Stadt. Sein erstes Geschäft führte ihn zu dem Magier. Er hatte noch Rollen vom Abend vorher die er verkaufen wollte.
Bereits auf dem Weg dorthin fiel ihm auf, dass die Unruhen wohl auch in Vesper Spuren hinterlassen hatten. Auch hier kam es ihm zumindest so vor als wären mehr Wachen unterwegs als sonst. Die eher ausgelassene Stimmung, die nach der 10ten Abendstunde oft herrschte, war eher gedrückt. Eine greifbare Spannung lag in der Luft.
Er seufzte nur leise als er eine Weile auf dem Balkon stehen blieb und den Blick gleiten ließ.
Innerhalb von Sekunden fielen ihm Kleinigkeiten auf, die ihn doch etwas nervös machten. Am Henkersplatz war es bereits laut geworden, am Ende würde die Lage dort noch eskalieren. Doch der Lärm endete zum Glück in lautem Lachen.
Seine Schultern entspannten sich wieder etwas.
Wahrscheinlich wäre gar nichts passiert, wenn er sich nicht so intensiv umgesehen hätte. Als sein Blick weiterglitt, blieb er an einem der Wachmänner hängen.
Haynes.
Er kannte den Krieger der schwarzen Garde nicht persönlich, wusste aber wer er war und dass sein Ruf ihm oft vorrauseilte. Man sagte ihm nach, dass er einer der besten unter den Kriegern war. Wahrscheinlich wäre er schon längt Hauptmann geworden, wenn seine Methoden nicht manchmal fragwürdig gewesen wären.
Sein Blick hatte sich düster auf ihn gerichtet, der Wachmann starrte ihn eindringlich an.
Er erwiderte den Blick nur kurz bevor er wieder über den Platz sah und leise durchatmete. Es war sicher nicht gut, dass er seine Aufmerksamkeit erregt hatte. Vielleicht war es besser, wenn er sich auf den Rückweg machte.
Als er sich abstieß versuchte er nicht noch einmal seinen Blick zu kreuzen.
Doch es wunderte ihn auch nicht wirklich, dass ihm der Weg kurz vor der Brücke versperrt wurde.
„Kapuze runter.“
Der Befehl kam knapp aber deutlich und um weiteren Ärger zu vermeiden kam er dem auch nach.
Er blickte Haynes direkt an und nannte ihm auch seinen richtigen Namen. Alles andere hätte nicht nur ihn in Schwierigkeiten gebracht.
Womit er allerdings nicht gerechnet hatte war seine weitere Reaktion. „Warum streicht ein verfluchter Wächter aus Schattental nur noch in unserer Stadt herum, hä!?“
Seine Muskeln spannten sich ein wenig an.
Die Aufenthalte in der Bank, die Besuche der Geschäfte. Die Blicke der Wache in der Taverne. Nun hatte er mit den Konsequenzen zu tun. Er hätte damit rechnen müssen. Womit er allerding nicht rechnete war die Faust die ihn Sekunden nach seinem ersten Protest traf. In dem Moment begann er sich zu wehren. Doch nur solange bis er den Knauf von Hayes Waffe an der Schläfe spürte.
Danach war erst einmal alles schwarz.
Als er zu sich kam stöhnt er leise auf vor Schmerz. Er lag auf dem harten Boden und es war finster. Nicht einfach nur finster, sondern richtig dunkel. Lediglich der Schein aus einer Feuerschale gab einen leicht hellen Schimmer ab. Eiskalt war es ebenso und der Boden feucht.
Vorsichtig richtete er sich auf und lehnte sich an die Wand. Nicht ein Fenster, nicht eine Öffnung waren zu sehen. Er hatte weder einen Hocker, noch eine Matte, nicht einmal Stroh lag wirklich herum. Seine Hand zuckte an seine Seite, obwohl er bereits wusste, dass er dort nichts mehr vorfinden würde. Sie hatten ihm nicht nur seinen Rucksack genommen, sondern ebenso seine Rüstung, sogar seine verfluchten Stiefel waren weg.
Ein weiterer Blick durch den Raum verriet ihm, dass er im Moment wohl der einzige Gefangene war. Die einzige Bewegung die er wahrnehmen konnte war in einer der dunklen Ecken und verbunden mit dem leisen Rascheln ging er von Mäusen oder Ratten aus.
Sein ganzes Gesicht schmerzt und als er begann es abzutasten, konnte er die Schwellung an seinem Auge spüren, genauso wie das getrocknete Blut in seinem Mundwinkel. Ansonsten schmerzte jeder Knochen in seinem Leib, auch wenn er sicher war, dass nichts gebrochen war.
Tief durchatmend lehnte er den Kopf gegen die Mauer und schloss die Augen.
Was würde das nun bedeuten?
Gab es hier so etwas wie Prozesse? Oder würde man garnicht groß zögern.
Spielte es überhaupt eine Rolle, dass er kein Mitglied der Wächter mehr war?
Würde seine ehemalige Mitgliedschaft genügen?
Und vor allem, wie würde Juhne damit umgehen wenn sie davon erfahren würde.
Würde man wegen so einer Lappalie überhaupt die Statthalterin informieren?
Sie würde sich im Griff haben, daran zweifelte er nicht.
Aber was wenn sie sich doch aus dem Fenster lehnte?
Stöhnen fuhr er sich mit den Fingern durch die Haare.
Er hatte sicher nicht vor hier drinnen zu verrecken. Aber im Augenblick brauchte er noch seine Kraft. Irgendeine Lösung würde ihm schon einfallen. Wenn möglich ohne sie dabei in Verruf zu bringen.

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Cassian
30.12.19 10:54 · Thread: Cassian - stille Wasser sind tief · Forum: Geschichten

Langsam ging er die Stufen zu seinem Haus hinauf. Sein Knie schmerzte immernoch wie verrückt, aber für einen Moment war das alles unwichtig.
Er fühlte den Schmerz nicht mehr, auch nicht den kühlen Wind, der vom Meer herüberwehte und eindeutig nach Regen roch.
Draussen sank er auf die Bank und blickte auf die Berge.
Dieser Ort hatte es ihm angetan. Vollkommen unabhängig davon, wo er lag, zu welcher Stadt, zu welchem Reich er gehörte.
An nichts davon wollte er gerade denken nur versuchen zu verstehen was gerade mit ihm passierte.
Die letzten Monate, beinahe Jahre waren einfach nur ruhig gewesen und er liebte diese Ruhe.
Und nun hatte er in wenigen Tagen soviel gesprochen wie wahrscheinlich in seinem ganzen Leben vorher.

Es hatte damit begonnen, dass er auf die Jagd gehen wollte. Er suchte eine Herausforderung und als die Feuerhexe aus der Loge ihm anbot sie durch Iragroth zu begleiten, hatte er zugesagt.
Viel wusste er von ihr nicht. Die Bezeichnung kannte er und hatte sich etwas vollkommen anderes vorgestellt, als die junge Frau, welche am Ende vor ihm stand.
Schmal, beinahe zerbrechlich.
Bis er sie in den Höhlen sah. Die Bezeichnung Feuerhexe machte auf einmal deutlich mehr Sinn.
Er hatte in seinem Leben schon sicher 1000 Feuer gemacht. Jeder Handgriff saß, er wusste welches Holz er wie und wann benutzten musste. Das seine Fähigkeiten diesbezüglich noch weiter reichten, war meistens vollkommen unnötig gewesen.
Doch diese Frau konnte das Feuer auf eine Art beherrschen, wie er es noch niemals zuvor gesehen hatte.
Er war beeindruckt.

Der Eindruck wandelte sich aber in dem Moment als er ihr arglos durch ein Tor folgte und sich mitten in Vesper wiederfand. Noch schlimmer, als die Wachen sich vor der jungen Frau verneigten und ihm auf einmal klar wurde, mit wem er es wirklich zu tun hatte. Er konnte es kaum glauben. Diese junge Frau war die von allen gefürchtete Statthalterin von Vesper? Anhängerin des Einen?
Es erschien ihm vollkommen absurd bis sie ihn beim nächsten Treffen als Ketzer bezeichnete.
Er. Ein Ketzer.
Der Gedanke hatte ihn beinahe amüsiert auch wenn er deutlich wachsamer war als vorher. Angst hatte er keine. Was sollte ihm schon groß geschehen und selbst wenn es sein Schicksal sein sollte, durch ihre Hand den Tod zu finden, dann sollte es eben so sein.
Und wieder einmal ging er im Leben ein Risiko ein.
Wieder einmal dachte er nicht groß über Konsequenzen nach. Der Moment war deutlich wichtiger und da er sich dort unten in der Höhle deutlich lebendiger fühlte als in den letzten Wochen, nahm er das als ein Zeichen an.

Ihr Misstrauen ihm gegenüber akzeptierte er. Er lebte in Schattental, sie wusste dass er als Söldner gearbeitet hatte und er würde sich vorerst hüten ihr zu gestehen, dass er diese Arbeit schon lange vorher aufgegeben hatte. Einen gewissen Schutz wollte er sich bewahren, denn die Blicke, die man ihm in Vesper zuwarf, gefielen ihm nicht.
Er reiste wohl doch zu oft von Schattental an, dass die Wachene in Auge auf ihn hatten. In Wirklichkeit hatte er wenig Zweifel wie es ihm dort ergehen würde, wenn jemand von seiner Zeit bei der Wächterschaft wissen würde.

Die Feuerhexe hingegen wusste es. Für sie war er Mittel zum Zweck, ein Partner in der Höhle der ihr die Zeit verschaffte um ihre Magie zu wirken.
Zumindest hatte er das gedacht bis der gestrige Abend endete. Vollkommen unerwartet mit einem Kuss auf seine Lippen. So unerwartet, dass er wie ein kleiner Junge nicht fähig gewesen war, ihn zu erwidern.
Mit einem leisen Seufzen und einem etwas lauteren Fluch fuhr er sich mit den Händen durchs Gesicht.
Im nächsten Moment begann es zu donnern und der Regen setzte ein.

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Cassian
04.6.17 09:06 · Thread: Biete Nachhilfestunden · Forum: Moonglow

Es dämmerte schon, als er Schattental durch das Westtor verließ. Den Vogel erblickte sein wachsames Auge sofort, ebenso wie den kleinen Zettel. Als er ihn löste und öffnete, hielt er aber inne. "Liebe Fay,", weiter las er garnicht sondern rollte ihn wieder zusammen.
Da hatte sich wohl jemand in der Adresse geirrt.
Sein Blick glitt zu seinem Haus hinauf, er war todmüde und hatte sich bereits aufraffen müssen, noch einmal in die Stadt zu laufen.
Er zog also das Pferd vor.
Innerhalb kurzer Zeit war er bei Fays Haus. Erst zögerte er kurz ob er noch einmal klopfen sollte, dann aber entschied er sich anders und legte ihr den Zettel auf die Stufen.

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Cassian
09.5.17 19:22 · Thread: Cassian - stille Wasser sind tief · Forum: Geschichten

"Verdammt Cassian, komm da sofort runter!", in der Stimme seines Vaters war nicht wirklich Angst zu hören, sondern nur Ärger.
Er war gerade einmal mit 4 Jahren auf das Dach der Hütte geklettert, hielt sich am Schornstein fest nur um zu sehen wo der Lärm herkam den er gehört hatte.
Er hatte einfach keine Angst.
Da sein Vater aber ähnlich war, wurde diese Einstellung nur verstärkt. Er tat schon immer was er wollte, egal wie gefährlich es war. Die Rechnung musste er aber immer selbst bezahlen. Ob es Verletzungen oder Schmerzen waren, wenn eines seiner waghalsigen Abenteuer schief ging, oder eine Entschuldigung, wenn seine Aktionen Schaden für andere mit sich brachten.

Mit der Zeit begann er allerdings die Gefahr einzuschätzen. Er lernte, wann es sinnvoll war sich zurück zu halten. Allerdings hielt er sich nur zurück wenn die Folgen andere betrafen.
Sich selbst brachte er immer noch oft genug in Gefahr.
Und genau das machte ihn so erfolgreich, in dem was er tat. Er fragte nicht nach den Konsequenzen oder der Gefahr, er machte sich ein Bild, natürlich im Detail, und handelte.

Bis sein Vater starb.

Von dem Moment als er neben ihm kniete, seine Hand hielt und zusah wie ein einziger verdammter Pfeil das Leben in den Augen seines Vaters auslöschte, änderte sich sein Verhalten.
Zum ersten Mal hatte er Angst empfunden. Keine Angst um sich selbst, nicht um sein Leben. Sondern schlicht und ergreifend nur Angst vor dem Schmerz, der unweigerlich kam wenn man jemanden verlor, der einem wichtig war. Die Konsequenz, er zog sich weiter zurück. Das war er gewohnt, das war sein Leben.

Bis Fay in sein Leben trat.

Das stumme Mädchen.

Er hätte es auch bei ihr vermieden, denn alles was er wollte waren oberflächliche Bekanntschaften, blos keine Freunde, die ihm wichtig werden konnten. Doch bei ihr wurde er mehr oder weniger gezwungen auf sie aufzupassen, sich ein wenig zu kümmern. Irgendwann machte es ihm dann nichts mehr aus und auf einmal war da der Beginn einer Freundschaft. Und das bedeutet Sorge und Angst.

Und so fühlte er sich beinahe verpflichtet, ihr zu helfen.
Den Ort aufzusuchen, an dem ihr Schicksal begonnen hatte. Um vielleicht eine Lösung zu finden.
Er wusste, dass er nicht hier sein sollte. Da er sich nicht nur den Weg gemerkt hatte, sondern jedes Detail, war er schneller in der Höhle angekommen als gedacht.
Wo überall in den Gängen der Lärm der Monster vorherrschte, war es hier totenstill.
Die Decke des Raumes war hoch und lag in vollkommener Dunkelheit. Er schritt langsam durch den Raum, die Waffe gezogen, wachsam.
Immer wieder glitt sein Blick zu dem Strudel. Er spürte nichts.
Keine Angst.
Nicht einmal Respekt.
Es war nur irgendeine Form von Fuchtelei, da hatte er keine Zweifel.
Auf sein Nachfragen bei Logan hatte er einige Antworten bekommen, die ihm weiterhalfen. Man konnte den Strudel öffnen. Auch wenn er wenig Ahnung von Magie hatte, für ihn klang das so, als würde es eine Art Tor sein.
Ein Tor, dass man irgendwie öffnen konnte, dass eine Verbindung darstellte zwischen verschiedenen Welten, oder Zeiten?
Ohne es zu merken, hatte er in Gedanken den Strudel mehrfach umrundet und war ihm dabei immer näher gekommen.
Am Ende stand er direkt davor und starrte ihn eine Weile an. Noch immer spürte er nicht wirklich etwas, lediglich das Licht hatte sich ein wenig verändert.

Ihre Angst lag also nicht im Strudel selbst, sondern nur in den Erinnerungen die sie daran hatte, die Situation, ihre Erfahrungen an jenem Tag oder Abend.

Ihn betraf das nicht.
Er spürte keine Angst.
Was also sollte geschehen?
Vielleicht würde er verschwinden?
Woanders wieder auftauchen?

Vorsichtig ging er auf ein Knie hinab. Sie würde ihn sicherlich umbringen wenn sie wüsste, wo er war und was er tat.
Aber hätte er ihr die komplette Wahrheit gesagt, dann hätte sie darauf bestanden mitzukommen und dieses Risiko wollte er nicht eingehen. Er wollte sie am liebsten nie wieder in der Nähe von dem Ding sehen.
Langsam streckte er die Hand aus.
Als seine Finger das strudelnde Licht berührten, spürte er nur ein leichtes Kribbeln und dann den drängenden Wunsch, weiter zu gehen.
Je tiefer seine Hand in das Licht glitt, desto stärker wurde dieser Drang.
Das Kribbeln breitete sich auf seiner Haut aus.
Ohne jede Vorwarnung hörte er dann auf einmal wieder ihre Schreie, die Gänsehaut breitet sich auf seinem Körper aus und mit einem Ruck zog er die Hand zurück und stolperte nach hinten, knallte unsanft auf den Boden.
Für einen Augenblick wurde es schwarz vor seinen Augen.

Als er wieder zu sich kam, war es wieder vollkommen still. Ein kurzer Griff an den Hinterkopf bestätigte ihn, dass er sich wohl den Rücken durch eine Platzwunde vollgeblutet hatte.
Ansonsten war er allerdings unverletzt.
Sein Schädel hämmerte nur und als er sich aufrichtete, beugte er sich zur Seite um sich zu übergeben. Dennoch schleppte er sich etwas zur Seite.
Noch immer hatte er nicht wirklich Angst vor dem Strudel, aber Respekt.
Ihre Schreie wollte er nicht noch einmal hören müssen und deshalb griff er nach seiner Statue und trat ohne weiteres Zögern durch das Tor.
Als er das Gras vor seinem Haus unter den Füßen spürte, atmete er tief durch.
Es war bereits dunkel, als er die Stufen hinauf ging.
Alles was er wollte war sich zu waschen und dann ins Bett zu fallen.

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Cassian
26.4.17 19:56 · Thread: Cassian - stille Wasser sind tief · Forum: Geschichten

"Wann hast du das letzte mal in einem richtigen Bett geschlafen?"


Er hatte nur vage geantwortet.
Warum?
Weil die richtige Antwort wahrscheinlich eher irritierend gewesen wäre. Er hatte noch nie in einem richtigen Bett geschlafen.
An die Zeit bei seiner Mutter erinnerte er sich kaum. Vielleicht hatte er dort ein richtiges Bett gehabt, er wusste nur noch, dass es immer sehr weich gewesen war und die Kissen nach irgendwelchen Blumen gerochen hatten.
Bei seinem Vater gab es nur Felle am Boden.
Sie blieben nie lange genug irgendwo um sich wirklich einzurichten, meistens hatte er nur in einem Zelt gelebt. Ein Bett war für ihn einfach nur eine Menge Felle auf dem Boden.

Mit der Zeit hatte er gelernt überall einschlafen zu können. Egal ob der Boden hart war oder kalt.
Manche Nacht hatte er sogar auf einem Baum verbracht und noch heute erinnerte sich an die kurzen Momente des Schreckens, wenn er sich ruckartig bewegt hatte und dabei beinahe nach unten fiel.
Das waren die unangenehmsten Nächte gewesen.
Woran er sich auch ungern erinnerte war das klamme Gefühl, dass ihn stets begleitet hatte.
Ein Leben im Zelt brachte es schlicht und ergreifend mit sich, dass gerade bei Regenwetter einfach alles feucht war und blieb. Nasse Kleidung war jahrelang sein Begleiter und genau aus dem Grund war es auch ein Ritual geworden, jeden Abend, wenn er die Möglichkeit dazu hatte im Trockenen zu sein, seine Ausrüstung zu pflegen.

Er war nie sesshaft gewesen.

Bis er irgendwann aufgehört hatte. Das Söldnerleben war zu Ende und dennoch hatte er keine feste Bleibe gefunden. Monatelang war er noch von Stadt zu Stadt gezogen, war eine Weile an einem Ort geblieben und dann unruhig geworden.
Dann war er in Schattental aufgeschlagen.
In den ersten Wochen war er dort viel unterwegs, saß in der Taverne herum, beobachtete die Leute und er musste zugeben, er genoss die Atmosphäre die dort herrschte.
Es war eine eher ruhige Stadt und dennoch lebte sie vor sich hin, plätscherte wie ein kleiner Wasserfall und obwohl er es nicht geplant hatte, begann er auch die Menschen dort zu akzeptieren.
Er hätte es nicht als Freundschaft bezeichnet, aber er begann es zu genießen die Abende in der Taverne in Gesellschaft zu verbringen.
Als dann auch noch irgendwann die stumme junge Frau auftauchte, wirkte es so, als wäre er tatsächlich erst einmal an die Stadt gebunden.

Zum ersten Mal in seinem Leben war er gezwungen zu sprechen. Viel zu sprechen.
Und noch dazu keine Antwort zu bekommen.
Normalerweise war er derjenige, der zuhörte.
Derjenige der schwieg.

Sein Leben begann sich langsam aber sicher zu verändern.
Das Haus war ihm schon bei seiner Ankunft aufgefallen.
Sein Blick für die besonderen Details hatte es schnell zwischen den Felsen und Bäumen ausgemacht und er war beeindruckt, wie perfekt es sich in die Landschaft einfügte.

Als wäre es schon immer dort gewesen.

Eigentlich war es in der Bank nur eine Frage nebenbei gewesen, es hatte ihn überrascht, dass es zu verkaufen war, doch natürlich hatte er keine Sekunde gezögert.

Nun war es sein Haus.

Ein richtiges Zuhause, sein Rückzugsort.


Wahrscheinlich wären Monate vergangen, bis er sich irgendwann dazu durchgerungen hätte ein Bett zu kaufen. Wäre da nicht die Frage von Fay gewesen und sein etwas seltsame Gefühl, ihr nicht mit der Wahrheit antworten zu wollen, damit sie ihn nicht für vollkommen barbarisch hielt.
Nun stand dort ein Bett mit einem Ausblick den sicherlich nicht jeder sein eigen nennen konnte.
Ein wirkliches Bett mit einer Matratze und Kissen.
Zeug von dem er nicht wusste, ob er sie brauchte.
Aber er würde versuchen es herauszufinden.

An diesem Abend saß er auf den Stufen des Hauses und starrte nach Schattental hinab.
Hinter ihm ging die Sonne unter, das Licht veränderte sich und es wurde langsam kühler.
Aber er blieb sitzen.
Es war noch ein etwas fremdes Gefühl, aber er konnte es nicht mehr leugnen.

Er fühlte sich Zuhause.

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Cassian
18.4.17 09:51 · Thread: Cassian - stille Wasser sind tief · Forum: Geschichten
Cassian - stille Wasser sind tief

Er saß alleine an einem Tisch in der Ecke. Das Leben in der Taverne spielte sich eher am Tresen ab und hier konnte er in Ruhe sein Bier genießen. Obwohl er sich nicht wirklich bewegte, glitten seine Augen aufmerksam durch den Raum.
Innerhalb von wenigen Momenten hatte er sich ein Bild gemacht. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn alles was er sah wurde in seinem Kopf wie ein Bild gespeichert. Er interpretierte Situationen, nahm Eindrücke und Details auf, nur um sie sich dann dauerhaft zu merken.
Ihm blieb einfach alles im Gedächtnis, schon immer.
Vor allem kleinste Dinge nahm er innerhalb von Sekunden wahr, meistens eben jene, die keinem sonst auf den ersten Blick auffielen.

Er blendete den Lärm im Hintergrund aus, schloss einen Moment seine Augen und atmete tief durch.
Das Bier war nicht das Beste, aber es war einigermaßen kühl, frisch und angenehm herb.
Er würde nicht mehr lange bleiben, denn in der nächsten halben Stunde würde die Situation auf jeden Fall eskalieren.
Der Krieger, der an der Theke der Schankmaid schöne Augen machte, wurde bereits von einem unscheinbar gekleideten Mann in der Ecke beobachtet.
Niemandem war aufgefallen, dass sie eben jenem Mann ungefragt ein Getränk hingestellt hatte.
Obwohl sie deutlich auf die Avancen des Kriegers einging, konnte er immer wieder die Bewegung ihrer Hand an das Collier an ihrem Hals erkennen.
Ein Collier, eigentlich zu wertvoll für eine einfache Schankmaid und aus dem gleichen Metall und mit der gleichen Prägung wie der Armreif des Mannes, den man aber nur sehen konnte, wenn er die Hand hob um an seinem Glas zu nippen.
Die beiden waren liiert, der Kerl ließ sie nicht aus den Augen und so unscheinbar er wirkte, allein an der Haltung konnte man erkennen, dass er trainiert war.
Im Gegensatz zu dem Krieger, trug er keine einzige Narbe, trotz der einfachen Waffe an seiner Seite. Der Abend würde blutig enden und er wusste jetzt schon, wer als Sieger daraus hervorgehen würde.


Deswegen ging er, solange es noch ruhig war.


Die Anspannung fiel von ihm ab, sobald er die ersten Bäume sah und seine Stiefel den steinernen Weg verließen und sich in den weichen Waldboden bohrten.
Hier gehörte er her.
In den Wald.
Die Natur.
Den Schatten der Bäume.
Als Kind hatte er bei seinem Vater gelebt. Irgendwann auf dessen Schwelle von der eigenen Mutter abgelegt, war sein Leben von nun an von Stille beherrscht. An die 3 Jahre auf nujanidischem Boden erinnerte er sich nicht mehr.
Als Söldner folgte sein Vater den Kriegen und Schlachten. Sein Leben lang hatte er im Krieg gelebt, vielleicht liebte er deshalb den Frieden, der im Wald herrschte.
Schon immer war es ein Rückzugsort für ihn gewesen und er verbrachte mehr Zeit dort, als er eigentlich sollte.
Sein Leben war geprägt vom Lärm der Schlachten und der wortkargen Atmosphäre in den provisorischen Unterkünften, in denen sein Vater lebte.
Als sein Vater fiel, nahm er wie von selbst seinen Platz ein. Jahrelang folgte nun auch er den Kriegen und wie auch sein Vater hatte er eine besondere Begabung am Bogen und der Armbrust entwickelt.
Besonderes Gehalt erwartete ihn für spezielle Aufgaben, denen er ohne große Moralgedanken nachkam.
Bis zu diesem einen Abend erledigte er seine Aufgabe.
Immer.
Ohne nachzufragen.

Die Schlacht auf dem offenen Feld tobte und er selbst saß in den Ästen eines Baumes am Waldrand, die Waffe im Anschlag.
Sein einziges Ziel war der Baron, jenen musste er unschädlich machen.

Dafür wurde er von einem Aufrührer bezahlt, der sich der Burg habhaft machen wollte. Jener bewegte sich aber noch viel zu weit weg zu Pferd hinter den eher dürftigen Reihen seiner Krieger. Es war kein großes Anwesen, aber dennoch nicht weniger hart umkämpft.
Noch war er zu weit entfernt für einen sicheren Schuss.
Aber durch den geplanten Rückzug in den Wald, rückte der Gegner immer weiter nach.
Es war dieser eine Moment, kurz vor dem Schuss.
Der Moment in dem seine Augen noch einmal über das Feld glitten.

28 Tote, 12 weitere würden folgen und ihren Verletzungen erliegen, wenn kein Wunder geschah.
Das Pferd des Barons war kurz davor durchzugehen, es spürte die Unruhe seines Herren und der nächste Kanonenschlag würde genügen um den Baron aus seinem Sichtfeld zu bringen.
Dieser Moment als er wieder einmal ein Bild aufnahm, grausam, blutbefleckt und dennoch speicherte er die Details wie von selbst ab und wusste genau, dass er sich noch am nächsten Tag und Tage danach an sie erinnern würde.

Ein Atemzug.
Vollkommene Ruhe die ihn erfasste.
Das leise Rauschen der Blätter, während er wartete, dass der Wind abflaute und ihm einen guten Schuss ermöglichte.
Dann das sachte Lösen seines Fingers, das leise Surren.
Der Baron fiel vom Pferd.
Doch er hatte die Augen bereits abgewandt ohne sich zu versichern, dass er auch wirklich getroffen hatte. Sein Blick hatte sich auf den verfärbten Himmel im Hintergrund gerichtet, wo gerade die Sonne unterging.
Ein perfekter Sonnenuntergang der den Himmel langsam immer dunkler verfärbte.

In dieser Nacht holte er sich seinen Lohn und verschwand.

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